So kurz vor Ende seines Außen­minister-­Daseins hat Sigmar Gabriel noch einmal für Aufregung gesorgt. Das „außenpolitische Abenteurertum“, welches der Sozialdemokrat Saudi-­Arabien in Hinsicht etwa auf den Libanon und den Jemen bescheinigte, hat die Scheichs in Riad so verärgert, dass sie den saudischen Botschafter aus Berlin zurückbeorderten. Was eine ungewöhnlich deutliche Geste ist.

 Ob Gabriel die merkwürdigen Umstände des Rücktritts des libanesischen Ministerpräsidenten und der vergessene Krieg in Jemen, beides wirklich ungute Beispiele saudischen Einflusses, emotional so aufgewühlt haben, dass er jede diplomatische Zurückhaltung fahren ließ, weiß man nicht. Vielleicht liegt sein Verhalten aber auch einfach darin begründet, dass sich der langjährige Wirtschaftsminister mit SPD-Parteibuch, der nach eigenem Bekunden Rüstungsexporte in Krisengebiete ja eigentlich reduzieren wollte, gerade vorrechnen lassen musste, dass die Saudis derzeit so viele deutsche Waffen bekommen wie schon lange nicht mehr. Und er zumindest auf diesem Wege in Bezug auf die Öl-Monarchie Distanz und Kritik unter Beweis stellen wollte. Wie dem auch sei: Ein geschliffener Diplomat jedenfalls wird Gabriel nimmermehr.

 Immerhin hat der amtierende Außenminister damit noch einmal die Aufmerksamkeit auf die neue Rolle Saudi­-Arabiens gelenkt. Wie die Bundesrepublik aber auf Dauer mit einem Staat, der in seiner Region zunehmend konfrontativ und expansioni­stisch auftritt, sich gleichzeitig aber modernisieren will, umgehen soll, ­darüber wird sich Sigmar Gabriels Nachfolger ernsthaft Gedanken machen müssen.