Meinung Kommentar: Es geht um mehr als nur das „in“

Dorothee Torebko.
Dorothee Torebko. © Foto: swp
Berlin / Dorothee Torebko 13.03.2018
Der Bundesgerichtshof hat entschieden: Frauen haben kein Recht auf eine weibliche Ansprache in Bank-Formularen. Ein Kommentar von Dorothee Torebko.

Marlies Krämer ist eine Frau. In ihrer Bank möchte sie deshalb nicht als Mann bezeichnet werden. Sie möchte als Kundin auf Formularen unterschreiben und nicht als Kunde. Damit hat sie vollkommen Recht. Dass sie laut Bundesgerichtshofurteil weiter in der männlichen Form angesprochen werden wird, ist rückwärtsgewandt und diskriminierend. Es ist ein herber Schlag für Personen, die Gleichberechtigung fordern und fördern.

Nur wenn Frauen „generell nachteilig behandelt“ würden, verstoße die Bank gegen das Gleichstellungsgesetz, begründet der Bundesgerichtshof. Er verkennt damit: Ungleichheit beginnt nicht erst in Taten, sondern bereits in Worten. Denn „Sprache ist der Schlüssel von Gleichberechtigung“, wie Krämer sagt. Wer von Männern, Frauen und intersexuellen Menschen spricht, der denkt auch in verschiedenen Kategorien. Nur wer „Mann“ nicht mit „Mensch“ gleichsetzt, ist auch sensibel dafür, dass eben noch keine Gleichheit herrscht. Weder in der Förderung von Frauen in der Ausbildung und im Beruf noch bezüglich des Einkommens.

Viele ziehen nun wieder das beliebte Argument aus der Schublade: Frau übertreibt mal wieder. Und garnieren das Ganze noch mit einem zynischen „hysterisch“. Klar ist Marlies Krämer penetrant und unbequem. Zum Glück ist sie das. Denn nur durch solche Frauen entsteht Veränderung. Wenn die Suffragetten vor über 100 Jahren nicht öffentliche Reden gestört hätten, gäbe es heute kein Wahlrecht für Frauen. Unbequem sein – das sollte jeder Mensch, der und die sich für Gleichberechtigung ausspricht. Denn es geht um einen größeren Kontext. Es geht um 50 Prozent der Weltbevölkerung und eben nicht nur um die zwei Buchstaben „in“.