Scharia-Polizei Kommentar zum Urteil über Scharia-Polizei: Mehr als ein bizarres Happening

Christian Rath
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Christian Rath 12.01.2018

In Deutschland kann jeder Erwachsene Alkohol trinken, Glückspiele betreiben und ins Bordell gehen. Hier gibt es keine Religionspolizei, die über das sittliche Verhalten anderer wacht und religiöse Regeln mit Gewalt durchsetzt.

Wie aber ist es zu bewerten, wenn Islamisten sich als „Scharia-Polizei“ verkleiden, um junge Muslime vor unsittlichem und vermeintlich unislamischem Verhalten zu warnen? Lachen die Angesprochenen nur über solche Spinner? Oder fühlen sie sich doch eingeschüchtert, vielleicht weil sie sich an die gewalttätigen Ordnungshüter in den Herkunftsländern ihrer Eltern erinnert fühlen?

Der Bundesgerichtshof hat die Frage nun nicht beantwortet. Aber er hat eine gründliche Untersuchung verlangt und den Fall ans Wuppertaler Landgericht zurückverwiesen. Dort muss man nun herausfinden, was junge Muslime über den Vorfall von Wuppertal denken. Das ist nicht einfach. Sollen die Richter eine Straßenumfrage machen?

Doch man sollte den Fall nicht vorschnell ins Lächerliche ziehen. Zwar wirkt der langjährige Rechtsstreit angesichts des bisher einmaligen Ereignisses etwas übertrieben. Aber es geht hier um eine Grundsatzentscheidung. Hätte der BGH hier grünes Licht gegeben, dann wäre es vielleicht bald in vielen Städten zu solchen Scharia-Patrouillen gekommen. Irgendwann wäre das vielleicht doch mehr als ein bizarres Happening geworden. Es gibt Indizien, dass die Wuppertaler Islamisten mehr als nur harmlose Gesprächsanlässe suchen. Immerhin stellten sie ein Video ins Netz, in dem es hieß: „You are entering a sharia controlled zone“ – auf Deutsch: „Sie betreten eine scharia-kontrollierte Zone.“