Elterngeld Kommentar zum Elterngeld: Der Reiz des „Gedöns“

Michael Gabel
Michael Gabel © Foto: NBR
Berlin / Michael Gabel 11.01.2018

Es ist 20 Jahre her, dass der damalige Bundeskanzler Schröder vom Ministerium für „Familie und Gedöns“ redete. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert. Heute ist gerade auf dem Gebiet viel „Musik“ drin. Die neuen Zahlen von Ministerin Barley zeigen das. Das Interesse von Eltern, Kleinkinder gemeinsam zu erziehen und dafür bei der Arbeit kürzer zu treten, steigt enorm. Gut so.

Mit immer neuen Modellen haben die Nach-Schröder-Regierungen, unterstützt von Ländern und Kommunen, auf den Wunsch vieler Eltern reagiert, Kindererziehung und Arbeitstätigkeit zu vereinbaren. So gibt es auch im Westen immer mehr Ganztagsschulen, und mit dem Elterngeld wurde ein Anreiz geschaffen, dass auch Gutverdienende wieder mehr Kinder bekommen. Und siehe da: Die Geburtenrate steigt in Deutschland wieder; wobei man nicht genau sagen kann, ob das gesellschaftliche Klima dafür der Grund ist oder ob es an den verschiedenen politischen Maßnahmen liegt. Wahrscheinlich ist es eine Kombination aus beidem.

Das Elterngeld Plus zielt in eine ganz besondere Richtung: Es fördert, dass sich beide Eltern gemeinsam in den ersten zwei Lebensjahren um ihr Kind kümmern. Und dass nicht der Elternteil, der am meisten verdient – in der Regel immer noch der Mann –, voll weiterarbeitet, während die Kindererziehung dann doch wieder vor allem an der Frau hängen bleibt.

Allerdings wird es in vielen Unternehmen nicht gern gesehen, wenn die Beschäftigten zwischen Vollzeit- und Teilzeitarbeit wechseln. Ein solcher Wunsch wird dann für den Betroffenen schnell zum Karriereknick. Beim Thema Arbeitszeit bleibt also noch viel zu tun.

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