Europa schottet sich ab. Solange die Gemeinschaft lieber Millionen in die technische Aufrüstung von Überwachungssystemen steckt, statt in die Ausstattung von Flüchtlingsunterkünften, wird sie mit dieser Kritik leben müssen. Eurosur wird daran nichts ändern. Zwar will man mit dem neuen System Migranten in Seenot retten. Die Zuständigkeiten für diesen Fall bleiben jedoch ungeklärt. Es ist zu befürchten, dass das Lebensrettungs-Siegel reine Fassade bleibt.

Das Flüchtlingsdrama vor Lampedusa Anfang Oktober hat die EU aufgeschreckt. Den Verantwortlichen in Brüssel kommt Eurosur deshalb gerade recht. Sie verweisen darauf, dass mit dem Hightech-Grenzsystem in Seenot geratene Schiffe schneller geortet und gerettet werden können. Doch geplant wurde das Überwachungssystem 2008 mit einem anderen Ziel: die Außengrenzen der EU lückenlos zu überwachen. Es ging von Anfang an um die Bekämpfung illegaler Einwanderung und nicht um Seenotrettung. Dazu passt die Kooperation mit Drittstaaten. Hat das neue Überwachungssystem verdächtige Boote geortet, die dabei sind, die nordafrikanische Küste zu verlassen, genügt ein Hinweis der EU-Grenzschützer an die libyschen oder algerischen Behörden. Diese können die Boote abfangen.

Eurosur wird die Risiken für Flüchtlinge nicht mindern. Zwar ist es ehrenhaft von der Europäischen Union, Schleppern das Handwerk legen zu wollen. Aber das eigentliche Problem bleibt bestehen. Solange Menschen unter Krieg und wirtschaftlich unerträglichen Zuständen leben müssen, werden sie die Gefahren der Flucht auf sich nehmen. Davor verschließt die EU die Augen.

Perfekte Kontrolle