Politiker, die mehr oder weniger unverhohlen Einfluss darauf zu nehmen versuchen, was und wie die Medien über sie berichten, sind keine Seltenheit. Bis zu einem gewissen Grade ist das als Ausdruck einer professionellen Öffentlichkeitsarbeit der politischen Klasse durchaus in Ordnung, zumal der Umgang von Journalisten mit prominenten Personen der Zeitgeschichte auch oft genug wenig zimperlich erscheint.

Wenn sie klug sind, überlassen führende Politiker die Beschwerde über Berichte, die sie als unangemessen oder unfair empfinden, aber ihren Pressesprechern. Vor persönlichen Interventionen oder gar Drohungen im Umgang mit den Medien sollten sich hochrangige Volksvertreter besser hüten - sie bewirken oft nur das nachhaltige Gegenteil der beabsichtigten Reaktionen. Diese Erfahrung muss nun augenscheinlich auch Christian Wulff machen, zu allem Überfluss.

Dem Bundespräsidenten läuft die Kreditaffäre ungeachtet seiner vorweihnachtlichen Erklärung hinterher. Die Sache kann - entgegen den frommen Wünschen aus der Union - längst nicht zu den Akten gelegt werden. Die Opposition lässt nicht locker.

Wie lange muss sich Christian Wulff das noch antun, wie lange will er sich das weiter zumuten? Einstweilen handelt es sich zwar weder um eine irreparable Beschädigung des Amtes noch gar um eine Staatskrise. Doch höchst unerquicklich ist die unendliche Angelegenheit allemal, für Wulff sowieso, aber zunehmend auch für Bundeskanzlerin Angela Merkel, deren erklärter Wunschkandidat der Niedersachse nach Horst Köhlers bis heute rätselhaftem Abgang war.

GUNTHER HARTWIG