NORBERT MAPPES-NIEDIEK  Uhr

Die Balkanländer sollen der EU nicht wirklich beitreten, aber die Völker dort unten sollen bitte fest daran glauben. Das ist das heimliche Einverständnis, unter dem sich west- und südosteuropäische Regierungen am Donnerstag zu einer Westbalkan-Konferenz treffen. Die prominente Beteiligung bestätigt den Befund nur. Man muss schon höchste Würdenträger auffahren, um den Glauben an die falsche Botschaft zu retten.

In Serbien, Bosnien, Albanien, Mazedonien, Kosovo und Montenegro wird alles schlimmer statt besser. Keines der Länder hat sich von der Euro-Krise nur ansatzweise erholt. Armut und sogar Elend breiten sich aus. Politisch geht kaum etwas voran. Geld und Energie aus Brüssel fließen gerade so viel, dass die Südosteuropäer sich nicht an die Autokraten in Moskau oder Istanbul verkaufen. Zwar werden vor Konferenzen ein paar Stolpersteine auf dem Weg in die EU weggeräumt. Die großen Brocken aber bleiben liegen.

Die Machthaber der Balkanländer spielen das falsche Spiel gern mit. Denn sie haben allesamt Grund, sich davor zu fürchten, wie Kroatiens Ex-Premier Ivo Sanader noch vor einem EU-Beitritt im Gefängnis zu enden. Nicht unbedingt, weil sie so kriminell wären; aber ihre Art, an die Macht zu kommen und sich dort zu halten, ist mit EU-Normen nun einmal nicht kompatibel. Mazedonien durfte sich unter fest verschlossenen Augen Brüssels schon fast zur Diktatur entwickeln.

Man ergänzt sich prächtig: Die einen tun so, als wollten sie beitreten, die anderen tun so, als wollten sie sich erweitern. Geglaubt wird die Botschaft immer weniger. Die massenhaften Fluchtbewegungen sprechen eine deutliche Sprache.