Venezuelas Demokratie schmiert ab: Erschossene Studenten, abgeschaltete unabhängige Radiosender, inhaftierte Oppositionspolitiker. Die Menschenrechts-Bilanz der regierenden Sozialisten in Caracas ist eine Katastrophe. Zuletzt kopierte Präsident Nicolas Maduro sogar die Phrasen rechtsradikaler Populisten, indem er Flüchtlinge aus dem Nachbarland Kolumbien für die wirtschaftlichen Probleme und die Gewalt im Land verantwortlich machte. Rassistisch motivierte Parolen gegen ein "Brudervolk" sind neu in Lateinamerika, ganz besonders für linke Regierungen.

Und was tun Deutschlands Sozialisten? Sarah Wagenknecht und eine Handvoll linker Sektierer rühmten in einer Erklärung jüngst den venezolanischen Rechtsstaat; einen Staat, der Waffen an regierungsnahe paramilitärische Banden verteilen lässt und dessen Parlamentspräsident in einer eigenen TV-Show Oppositionellen unverhohlen drohen darf. Dabei ist der moralische Absturz von Venezuelas Sozialisten bodenlos. Er erinnert an dunkle Zeiten: an die lateinamerikanischen Militärdiktaturen, deren Opferzahlen an die aktuelle Mordrate Venezuelas heranreichen. Und an die Deutsche Demokratische Republik, als dort Sozialisten in einer totalitären Herrschaftsform die einzig legitime Regierungsform sahen.

Deswegen ist die Rückendeckung von Wagenknechts Fundamentalisten für Venezuelas Machthaber nicht nur unerträglich, sie zeigt auch, welche Ideologie hinter der Solidaritätsadresse steckt. Diese hat nicht viel mit einem neuen Sozialismus zu tun, sondern erinnert erschreckend an altes, überwunden geglaubtes Denken.