Kommentar · US-Wahl: Wachgerüttelt

PETER DE THIER 11.02.2016

Lange hatte niemand glauben wollen, dass man den bombastischen Selbstdarstellungskünstler Donald Trump als Kandidaten ernst nehmen muss. Die populistischen Parolen, die nicht selten in persönliche Beleidigungen ausarten, wurden immer heftiger, dennoch legte der Milliardär in Umfragen zu. Dass Wähler Sporthallen füllen, um ihn reden zu hören, liege nur daran, dass sie "die große Show" live erleben wollten. Niemals werde sich die Popularität in einen Wahlsieg umsetzen lassen, dachte man.

Falsch. Plötzlich ist Trump keine Lachnummer mehr. Sein Sieg in New Hampshire hat dem Kampf um die Nachfolge Barack Obamas Spannung verliehen. Trump redet so, wie ihm der Schnabel gewachsen ist und er artikuliert Sorgen von Bürgern, die in dem politisch korrekten Dialog der etablierten Kandidaten, untergehen. Viele Amerikaner haben Angst vor illegalen Einwanderern, die sie den Job kosten könnten. Sie sorgen sich vor einem Terrorangriff auf heimischem Boden und ärgern sich, dass reiche Spender Wahlsieger bestimmen und deren Politik beeinflussen.

Für alles bietet Trump eine Lösung. Seine Vorschläge sind oberflächlich und provokativ, doch er sagt, was Wähler hören wollen. So unterschiedlich ihre Ideen auch sind: er und Bernie Sanders haben die Mitbewerber und deren Sponsoren wachgerüttelt. Selten war der Ausgang einer Präsidentschaftswahl so ungewiss. Die etablierten Kandidaten müssen umdenken.