Die grün-rote Landesregierung will das Tanzverbot an stillen Feiertagen lockern. Es wird Zeit dafür. Nirgendwo sonst im Bundesgebiet - nicht einmal in Bayern - gibt es so viele Einschränkungen für öffentliches Tanzen wie im Südwesten. Diese Art der Bevormundung wird von einem immer größer werdenden Teil der Bevölkerung nicht mehr akzeptiert. In einer kulturell bunter werdenden Gesellschaft geraten Sonderregelungen für Kirchen inzwischen unter Rechtfertigungsdruck.

Die Landesregierung justiert jetzt nach. Und sie tut das mit Maß. Die Sperrzeiten werden den veränderten Lebensgewohnheiten angepasst, getanzt werden kann dann bis in den Morgen. Auch die Zahl der Tage, für die es künftig noch Ausnahmen geben soll, wird reduziert.

Müssten Einschränkungen dann nicht ganz entfallen, auch weil eine liberale Gesellschaft keine Verbote mehr akzeptiert? Das müssen sie nicht. Es gibt Tage, die aus der Reihe tanzen: der Volkstrauertag gehört dazu, auch der Karfreitag, der immerhin noch für die Hälfte der Bevölkerung von Bedeutung ist. Allein die Unterbrechung des Alltags signalisiert, dass dem Tag etwas Bedeutendes zugrunde liegt.

Die Politik soll solche Marker setzen. Und sie hält zum Glück auch an Feiertagen wie Fronleichnam und Christi Himmelfahrt fest, selbst wenn viele Kurzurlauber den Grund dieser arbeitsfreien Tage nicht mehr zu schätzen wissen.