KOMMENTAR · SYRIEN: Massive Zweifel

MARTIN GEHLEN 28.03.2012

Geschickt zieht Kofi Annan seine Kreise um Damaskus enger. Erst wies er die kompromisslose syrische Opposition in die Schranken, dann konfrontierte er Diktator Baschar al-Assad mit seinem Sechs-Punkte-Friedensplan. Anschließend erreichte er in Katar einen Aufschub der angekündigten Waffenlieferungen. Diese Woche warb der UN-Vermittler mit Erfolg in Russland und China für seine Mission. In Bagdad kommen morgen alle arabischen Machthaber außer Assad zum ersten Gipfel nach Beginn des Arabischen Frühlings zusammen. Ganz oben auf die Tagesordnung haben die 21 Staatschefs die Gewalt des syrischen Regimes gegen sein eigenes Volk gesetzt.

Angesichts dieses Drucks hat sich Baschar al-Assad ein wenig Erleichterung verschafft, indem er jetzt Annans Friedensplan nach längerem Hin und Her akzeptierte. Ob der Diktator seinen Worten Taten folgen lässt, daran allerdings gibt es massive Zweifel. Was hat er nicht schon alles an Reformen angekündigt - und seine Armee weiter feuern lassen. Folgt er diesmal den Forderungen Annans im Namen der Weltgemeinschaft, muss er seine Truppen und Panzer aus allen Wohngebieten zurückziehen, die Gefangenen freilassen, Journalisten freien Zugang gewähren und mit der Opposition Gespräche über die künftige Machtverteilung aufnehmen.

Dann werden die Menschen in Syrien nicht mehr zu halten sein. Die Wut wird sich gegen das Regime frei entladen und Assad hinwegfegen.