KOMMENTAR · STUTTGART 21: Bei Abriss Kapitulation

ROLAND MÜLLER 31.01.2012

Bei Abriss Aufstand" lautet ein Motto der Stuttgart-21-Gegner. Nun fällt auch der Südflügel des Stuttgarter Bahnhofs, und der Aufstand hält sich in Grenzen. Ist die Protestbewegung etwa am Ende? Bleibt von der einst so mächtigen Kraft, die die Landespolitik auf Trab hielt, nichts übrig?

Tatsächlich muss sich eine Bewegung, die ein klares Ziel hatte - den Bau von S 21 zu verhindern - nicht wundern, dass die Unterstützung bröckelt, sobald es nicht mehr erreichbar scheint. Nach dem gescheiterten Volksentscheid und mit jeder erfolgreichen Baumaßnahme wird die Frage naturgemäß lauter: Was tun wir eigentlich noch hier?

Mit kreativen Ideen, neuen Gesichtern und Respektlosigkeit hatten die S-21-Gegner lange das Heft in der Hand. Nun wirken die Mittel eher hilflos. Es scheint als sei der Weg über die Macht der Straße, die etablierte Politik vor sich herzutreiben, erschöpft.

War es das? Eine Zeitlang sah es so aus, als ginge es um mehr als darum, einen Bahnhof zu verhindern: Das Ziel schien ja nicht weniger zu sein, als den verknöcherten Betrieb aus Politik, Verwaltung und Medien zu erneuern - und Bürgernähe neu zu erzwingen. Die Frage, ob die Grünen noch als Vertreter in dieser Mission akzeptiert werden, ist offen. Sollte sich die Bewegung endgültig von den einstigen Verbündeten abwenden, bleibt wohl nur noch die Alternative: Kapitulation - oder der eigene "Marsch durch die Institutionen".