Kommentar · SPRITVERBRAUCH: Nichts gelernt?

MARTIN HOFMANN 16.01.2016

Das wäre extrem überraschend, wenn sich Verbraucherminister Heiko Maas in der Bundesregierung gegen die geballte Lobbymacht der Autokonzerne durchsetzt. Neu ist es beileibe nicht, dass der Spritverbrauch vieler Pkw im Straßenbetrieb deutlich von den Angaben der Autobauer abweicht. Selbst Laien wissen, woran dies liegt. Am vorgeschriebenen EU-Fahrzyklus, der nicht nur viele Tricks zum Reduzieren des Spritverbrauchs erlaubt, sondern auch eine Fahrt simuliert, die nicht einmal ein Autofahrer mit schwäbischem Sparwillen auf der Straße erreicht. Und nur an diesen Zulassungstest muss sich die Autoindustrie halten.

Nun könnte Heiko Maas mit seinem Vorstoß auf Zeit spielen und gut anderthalb Jahre verstreichen lassen, bis sich die EU-Gremien auf ihr neues Pkw-Prüfverfahren geeinigt haben. Es schreibt Bedingungen vor, die den Normalbetrieb eines Fahrzeugs besser abbilden als sein Vorgänger. Es schließt sogar einen mobilen Abgastest ein.

Allerdings wird in Brüssel noch heftig um die Zulassung von Abweichungen längst vorgeschriebener Abgas-Grenzwerte und damit auch vom Spritverbrauch gerungen. Die EU-Regierungen wollen der Autoindustrie zugestehen, bis 2020 die Vorgaben um das Doppelte, danach um 50 Prozent zu überschreiten. Der Umweltausschuss des EU-Parlaments hat dies abgelehnt. Doch zu einer Abstimmung aller Europaabgeordneten kommt es vorerst nicht. Die Chefs der konservativen und sozialdemokratischen Fraktionen haben diese um zwei Wochen vertagt.

Heiko Maas muss wohl rasch intervenieren, um die Verbraucherinteressen zu wahren. Sonst gilt: Die Politik will aus dem VW-Skandal nichts lernen.