KOMMENTAR · SAMENSPENDE: Ja zur Verantwortung

ELISABETH ZOLL 07.02.2013

Das Oberlandesgericht Hamm hat einen wichtigen Pflock eingeschlagen: Das Recht eines Kindes, seine Herkunft zu erfahren, wiegt mehr als der Wunsch eines Samenspenders auf Anonymität. Vorbei sind damit die Jahrzehnte, in denen sich Paare mittels einer Samenspende ihren Kinderwunsch erfüllen konnten, ohne die Rechte Dritter - nämlich des Kindes - im Blick zu haben. Das verstößt nach dem Urteil gegen das Persönlichkeitsrecht und die Menschenwürde des Kindes.

Damit anerkennen die Juristen die Bedeutung psychologischer Erkenntnisse, wonach zur Identitätsbildung eines Menschen auch das Wissen über die eigene Herkunft beiträgt. "Wer bin ich?" "Von wem stamme ich ab?" "Wessen Gene trage ich?" Das sind Fragen, die den Kern eines Individuums berühren. Sarah P. hat in Hamm auf Antworten geklagt. Sie hat für viele Betroffene einen Erfolg erzielt.

Dieser wird die Reproduktionsmedizin verändern. Mit einer Blutabgabe vergleichbar ist eine Samenspende künftig nicht mehr. Spender gehen die Verantwortung ein, einem mit ihren Erbteilen ausgestatteten Kind irgendwann Rede und Antwort zu stehen. Damit aus der Samengabe nicht auch noch finanzielle Ansprüche an den Spender erwachsen, muss nun der Gesetzgeber handeln, obgleich sich das Justizministerium noch ziert.

Unmöglich wird mit dem gestrigen Urteil diese Form künstlicher Befruchtung nicht. Schon jetzt gibt es sogenannte "Yes-Spender", die ja sagen zu einem Gespräch mit ihren Nachfahren. Solche Verantwortung braucht es. Schließlich entstehen aus der Befruchtung Lebewesen und keine Zellpartikel.