Westliche Politiker und Unternehmer entsetzen sich über die Rubelkrise und kriegen Angst vor ihren eigenen Sanktionen. Aber was, wenn Russlands antiwestliche Politik diese Krise überdauert? Europas Politiker wanken: Man dürfe Russland nicht wirtschaftlich in die Knie zwingen, erklären deutsche Vizekanzler, italienische Ministerpräsidenten, deutsche Außenminister. Russlands Finanzkollaps bedrohe auch die eigene Wirtschaft und Sicherheit.

Dabei hat Russland den Rubelsturz fürs Erste überstanden, binnen einer Woche sank der Euro von 88 Rubel auf knapp 67 Rubel. Sicher, die richtige Krise kommt erst noch, aber schon die mageren 90iger Jahre haben gezeigt, wie das russische Volk Notlagen aussitzen kann. Europa droht weniger Handel mit Russland, kein russisches Tohuwabohu.

Moskaus Elite aber sieht sich im Kalten Krieg. "Unsere Sache ist gerecht", dröhnten Duma-Abgeordnete. Kein Geld? Der Kreml sponsert Rechtspopulisten in Europa, eröffnet auch eine deutsche Redaktion seines Propagandasenders Russia Today, russische Kampfjets patrouillieren aggressiv an Westeuropas Rändern.

Das aber sehnt sich nach Entspannung. Viele Europäer deuten den Krieg in der Ostukraine als emotionalen Fehlgriff der Russen. Sie glauben, Putins Hauptproblem sei, wieder rauszukommen ohne das Gesicht zu verlieren. Tatsächlich beschwört Russland die territoriale Unversehrtheit der Ukraine, verweigert aber gleichzeitig jede ukrainische Aufsicht seiner Grenze zu den Rebellengebieten. So fehlt der westlichen Gemeinschaft jeder Anlass, die Sanktionen aufzuheben.