Rom KOMMENTAR · PAPST: Vage Vorgaben

BETTINA GABBE 27.11.2013

Mit seiner Forderung nach Reformen für die katholische Kirche kommt Papst Franziskus vielen Gläubigen in Westeuropa entgegen. Stichworte wie Dezentralisierung und die Absage an Selbstherrlichkeit und Bequemlichkeit wecken jedoch möglicherweise Erwartungen, die er nicht erfüllen kann.

Wie wenig manche Kräfte im Vatikan geneigt sind, seinen Vorgaben zu folgen, demonstrierte die Vorstellung des Papst-Schreibens. Während Franziskus mit dem Ziel einer weniger zentralistischen Amtsführung mehr Kompetenzen auch lehramtlicher Art für Bischofskonferenzen fordert, bestritten die Kurienerzbischöfe schlicht jede Form der Entscheidungsautonomie für sie. Der Papst begegnet mit den Waffen eines auf die Menschen zugehenden Glaubens dem Widerstand aus den Reihen einer machtverwöhnten Kurie. Doch die Unterstützung eines Großteils der öffentlichen Meinung im Westen dürfte nicht ausreichen, um die katholische Kirche auf einen neuen Kurs einzuschwören.

Franziskus lässt bewusst Interpretationsspielraum. Wenn er Reformen durchsetzen will, darf er jedoch nicht darauf vertrauen, dass andere Reformer seine vagen Vorgaben mit dem Inhalt füllen, den er für richtig hält. Mit Freundlichkeit gegenüber allen Menschen ist für die Kirche in einer weitgehend säkularisierten Welt viel gewonnen. Änderungen innerhalb der Kirche lassen sich aber nur mit klaren Vorstellungen durchsetzen.