KOMMENTAR · ORGANSPENDE: Letzte Fragen

CHRISTOPH FAISST 19.05.2012

Organspende und Transplantation gehören zu den sensibelsten Themen, die an einen Menschen herangetragen werden können. So verständlich das Bemühen um zusätzliche Spenderorgane auch sein mag, der unterschwellige Druck, den die geplanten regelmäßigen Anschreiben der Krankenkassen an ihre Versicherten aufbauen wird - und wohl auch aufbauen soll -, passt nicht zu einer höchstpersönlichen Entscheidung, die letzte Fragen berührt.

Welche Informationen werden uns denn da ins Haus flattern? Jeden Tag sterben drei Menschen auf der Warteliste, es liegt an Ihnen, ob einer überlebt? Wer hat da noch den Mut zu sagen: Ich bin nicht das Ersatzteillager meines mich überlebenden Nächsten? Und wer dennoch diesen Mut hat, der wird in zwei Jahren erneut behelligt. Sieht so Freiwilligkeit aus?

Nein. So sehen verzweifelte Versuche aus, Bereiche menschlichen Daseins in den Griff zu bekommen, die solch verwalterischem Zugriff entzogen bleiben sollten. Jenen, die sich von sich aus informieren wollen, muss Wissen geboten werden - offen, fair und ohne versteckte moralische Nötigung zu einer wie auch immer gearteten Entscheidung. Alle Karten müssen auf den Tisch: Was geschieht mit den Organen, wer erhält sie, gibt es Mauscheleien - und vor allem: Wann ist der Mensch tot, denn das ist weit umstrittener als uns die Befürworter glauben machen wollen. Ganz abgesehen davon, dass jeder wissen sollte, dass von seiner Leiche nach der Spende nicht all zuviel im Sarg liegt.

Zuletzt: Jeder hat das Recht, sich mit seinem Tod nicht zu befassen - und diese Welt ohne einen Gedanken an seine Mitmenschen wieder zu verlassen.

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