Kommentar · MIGRATION: Europas Hilflosigkeit

AXEL HABERMEHL 12.02.2016

Nun also die Marine. Während in Syrien die Schlacht um Aleppo tobt und wieder Zehntausende fliehen, versucht Europa hektisch, seine Grenzen zu schließen. Nato-Kriegsschiffe sind auf dem Weg in die Ägäis. Sie sollen Migrationsrouten überwachen, Schleuser jagen und Flüchtlinge zurück in die Türkei schaffen, bevor sie griechischen Boden erreichen.

Es ist die reine Hilflosigkeit. Gelingt es der Nato, die Ägäis-Route zu schließen, werden die Migranten neue Wege finden. So war es, als vor Jahren der Evros-Zaun gebaut wurde. So war es, als Ungarn seine Grenze schloss. Immer fanden sich bald neue Wege, meist waren sie beschwerlicher und gefährlicher als vorher. Die Menschen fliehen ja nicht zum Spaß.

Sicher ist die Idee sinnvoll, den Menschenstrom zu drosseln, solange sich Europa nicht auf dessen Verteilung einigen kann. Sicher ist die Idee reizvoll, die Syrer könnten in der Türkei abwarten, bis der Krieg in ihrem Land vorbei ist. Nur ist beides leider nicht in Sicht, und auch die Türkei ächzt schon lange unter der Last der Flüchtlingshilfe, die sie leistet.

Der Plan, EU-Grenzen militärisch zu sichern und der Türkei die Alleinverantwortung für die Menschen aufzuhalsen, ist erstens naiv und zweitens gefährlich. Denn erstens lässt sich Migration nicht einfach verhindern, auch nicht militärisch. Und zweitens begibt sich Europa damit in Abhängigkeit eines Herrschers in Ankara, von dem man besser nicht abhängig ist.