Kommentar · LANDTAGSWAHL: Mehr als eine Momentaufnahme

BETTINA WIESELMANN 15.01.2016

Umfragen sind keine Wahlen. Und schon gar nicht sind deren Ergebnisse acht Wochen, bevor die Bürger in Baden-Württemberg ihr Kreuz gemacht haben, als unverrückbar anzusehen. Vielmehr gilt, dass immer mehr Wähler sich immer später festlegen. Kommt hinzu, wie 2011 mit der Fukushima-Katastrophe kurz vor der Wahl, dass Ereignisse von außen plötzlich zu einem Stimmungsumschwung beitragen können.

Dennoch ist davon auszugehen, dass Umfragen mehr sind als bloß abgefragte Momentaufnahmen. Weil sie die Grundrichtung widerspiegeln, haben sie das Potenzial, Wähler und Wahlkämpfer zu beeinflussen, sei es sie in ihrer Absicht zu bestärken oder diese neu zu überdenken.

Die jüngste, nach den Kölner Vorfällen erhobene Umfrage muss vor allem für die SPD ein Schlag ins Kontor sein. Notiert bei kläglichen 15 Prozent, scheint sie auf der Verliererstraße noch weiter ins Abseits zu geraten. Der Zuwachs des grünen Partners kann kein Trost sein, denn eine Mehrheit für die regierende Koalition ist trotzdem nicht in Sicht.

Für Schwarz-Gelb freilich auch nicht, was weniger an der FDP liegt, die gestärkt in den Landtag käme, sondern an der CDU. Mit 35 Prozent ist sie inzwischen so schwach wie seit fünf Jahren nicht. Daran hat der wenig zugkräftige Kandidat Guido Wolf offenkundig seinen Anteil. Merkels Flüchtlingspolitik, die Wasser auf die AfD-Mühlen ist, freilich auch.

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