Nur gut, dass die deutsche Konjunktur derzeit so gut läuft. Sie sorgt dafür, dass die Steuereinnahmen stärker steigen als erwartet. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble beschert das ein willkommenes Polster, um die Herausforderungen der Flüchtlingswelle ohne größere Probleme zu bewältigen. Zumindest vorerst. Übrigens bekommen auch Länder und Gemeinden mehr Steuern, was sie bei Forderungen nach zusätzlichem Geld gern unterschlagen.

Am deutschen Konjunkturhimmel sind derzeit erstaunlich wenige Wolken zu finden, sieht man von der schwächelnden Konjunktur in China ab. Besorgt beobachten die Experten die unsichere und schwer prognostizierbare Lage im Reich der Mitte. Doch eine höhere Nachfrage aus anderen Industrieländern sorgt dafür, dass die deutschen Exporte auf Rekordkurs bleiben. Ein wichtiger Grund dafür ist der schwache Euro, der deutsche Exporte verbilligt. Er macht zwar gleichzeitig Importe teurer. Aber gerade beim wichtigen Rohstoff Öl ist der Preisverfall so groß, dass das Tanken oder der Einkauf von Heizöl erstaunlich günstig sind. Das erfreut die deutschen Verbraucher. Den Erzeugerländern beschert es allerdings massive Probleme.

Dass jede Medaille zwei Seiten hat, zeigt auch die Konjunktur im Inland. Hier beflügeln neben dem Ölpreis steigende Reallöhne und niedrige Zinsen den privaten Verbrauch. Doch belastet das geringe Zinsniveau zunehmend die Altersvorsorge. Positiv auf die Konjunktur wirken sich letztlich hauptsächlich Faktoren aus, die nicht auf das Konto der deutschen Regierung gehen, auch wenn sie gerne so tut. Umso wichtiger ist es, nicht in Übermut zu verfallen.