Kommentar · KÖLN: Trophäe Jäger

JOHANNES NITSCHMANN 15.01.2016

Hartnäckig weigert sich Ralf Jäger, für die gewalttätigen Übergriffe in der Kölner Silvesternacht politische Verantwortung zu übernehmen. Um sich als NRW-Innenminister im Amt zu halten, inszeniert sich der gewiefte Politiker wahlweise als Aufklärer oder Ankläger - vor allem gegen die ihm als Dienstherrn unterstellte Polizei in der Domstadt. Den Kölner Polizeipräsidenten hatte er bereits entlassen, noch bevor der erste Untersuchungsbericht vorlag.

Ob der nervenstarke Jäger den Polizei-Skandal so unbeschadet aussitzen kann wie vorangegangene Affären, bleibt abzuwarten. Die Rückendeckung seiner Ministerpräsidentin scheint er zu haben, auch wenn Hannelore Kraft im Landtag keine Vertrauenserklärung über die Lippen kam. Im kommenden Landtagswahljahr wird sie auf Jäger kaum verzichten wollen. Er ist einer der wenigen Politiker mit Aura und Ausstrahlung in einem farblosen Landeskabinett und wird als Krafts Kronprinz gehandelt.

Deshalb nimmt ihn die Opposition ganz besonders ins Visier. Im Gegensatz zu den Piraten haben CDU und FDP bisher auf eine Rücktrittsforderung verzichtet, weil sie die Aufklärung der Vorgänge in der Silvesternacht als schlagzeilenträchtige Eskalationsstrategie betreiben. Der Sondersitzung des Parlaments wird wohl der Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses folgen. So bleiben die Silvester-Übergriffe bis ins Wahljahr 2017 auf der Agenda und der Innenminister einer Treibjagd ausgesetzt.

CDU und FDP zeigen ein seltsames Desinteresse für das Versagen der Bundespolizei im Bahnhofsinneren: Hier geht es nicht um die Sache, sondern nur um die Trophäe Jäger.