KOMMENTAR · INTEGRATIONSUMFRAGE: Buntes Baden-Württemberg

ROLAND MUSCHEL 05.06.2012

Es ist ein sehr ehrliches Bild, das die Baden-Württemberger in der ersten großen Landesumfrage zur Integration zeichnen: Sie nehmen wahr, dass Migranten auf dem Wohnungsmarkt oder bei der Arbeitssuche auf Diskriminierung stoßen können. Und sie sehen auch sich selbst in der Pflicht, den Zuwanderern zu helfen - wohlwissend, dass viele bei der Umsetzung der eigenen Ansprüchen noch hinterherhinken. Die Politik sollte dieses positive Klima nutzen.

Dass es in Baden-Württemberg um die Integration vergleichsweise gut bestellt ist, hat nicht zuletzt mit der ökonomischen Lage des Landes zu tun. Ob ein Nachbar als angenehm empfunden wird oder nicht, hängt vor allem von dessen Integration auf dem Arbeitsmarkt ab und nicht von seiner Herkunft. Daher ist es umso bedauerlicher, dass der Beitrag der Zuwanderer für den wirtschaftlichen Erfolg des Landes im allgemeinen Bewusstsein einen geringen Stellenwert einnimmt. Hier kann die Politik noch viel Aufklärungsarbeit leisten, gerade jetzt, wo sie sich wieder anschickt, ausländische Fachkräfte ins Land zu holen.

Die Bürger wollen fördern. Sie fordern aber auch etwas ein. Keine irgendwie geartete Einheitskultur. Sondern Selbstverständlichkeiten wie die Einhaltung der Gesetze und das Erlernen der deutschen Sprache.

Das Integrationsbild der Baden-Württemberger hat viele bunte Farben. Die Schwarz-Weiß-Zeichnungen eines Thilo Sarrazin vermisst im Flächenland mit dem höchsten Migrantenanteil in Deutschland auch keiner. Die Bestandsaufnahme kann daher helfen, die oft ideologisch aufgeladene Integrationsdebatte zu versachlichen.

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