Die neue griechische Regierung ist nicht zu beneiden: Einerseits erwarten Griechenlands Gläubiger weitere Sparmaßnahmen, andererseits wollen die Parteien den Bürgern keine neuen Härten zumuten.

In der Tat ist für viele Griechen die Schmerzgrenze bereits überschritten. Die Einkommen sind nach Berechnungen der OECD im vergangenen Jahr um ein Viertel gesunken, die Arbeitslosenquote beträgt 22 Prozent. Weitere Einschnitte bei den Gehältern, Renten und Sozialleistungen könnten deshalb zu sozialen Unruhen führen.

In Griechenland wird aber häufig übersehen, dass es jetzt nicht nur um Sparmaßnahmen geht. Zur wirtschaftlichen und sozialen Zukunftssicherung braucht das Land vor allem entschlossene Reformschritte. Beispiel: Der aktuelle Streit ums Rentenalter, das von 65 auf 67 heraufgesetzt werden soll. Aber Gewerkschaften und Linksparteien sträuben sich. Das zeigt: Sie haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt.

Dass die Griechen künftig länger arbeiten sollen, mag unpopulär sein. Unzumutbar ist es nicht. In anderen Ländern, deren Steuerzahler die Griechen mit Hilfskrediten unterstützen, geht es schließlich auch. Überdies ist die Anhebung des Rentenalters gerade für Griechenland unumgänglich, weil dort die demographische Entwicklung besonders ungünstig verläuft.

Die Rentendebatte ist nur ein Beispiel von vielen. Griechenland braucht neben Haushaltsdisziplin vor allem Strukturreformen, um auf Dauer wettbewerbsfähig zu werden. Die Rückkehr zur Drachme ist keine wirkliche Alternative. Sie würde zum Staatsbankrott führen und den wirtschaftlichen Totalabsturz auslösen.