Kommentar · GAUWEILER: Zum Rückzug getrieben

WILHELM HÖLKEMEIER 01.04.2015

Auf das finanzielle Zubrot aus der Politik ist Peter Gauweiler als Mitinhaber einer renommierten Münchner Anwaltskanzlei längst nicht mehr angewiesen. Auch Karriere wollte er nicht mehr machen auf dieser Ebene. Doch den Spaß am Diskurs und politischen Gestalten hat er sich bewahrt - bis ihn nun die ultimative "Ihr oder ich"-Drohung von Parteichef Seehofer zum Rückzug getrieben hat.

Wer dem Ministerpräsidenten und der Bundesregierung nicht folge im Ja zu Griechenland-Rettungspaketen und EZB-Geldschwemme, habe nichts verloren in der CSU-Spitze, sollte das heißen. Gauweiler zieht die Konsequenzen aus dieser feldwebelhaften Zurechtweisung. Er vermeidet aber damit auch eine weitere Demütigung - er hatte kaum noch eine Chance auf die Wiederwahl zum Parteivize im kommenden Herbst.

Denn das taktische Kalkül, das ihn 2013 zu einem der Stellvertreter Seehofers aufrücken ließ, ging nicht auf. Bei der Europawahl 2014 verlor die CSU trotz des Aushängeschilds Gauweiler gegen die populistischen EU-Skeptiker - seitdem hat er nicht mehr viel zu melden in der Partei.

Seine Karriere begann er als innenpolitischer Hardliner und Erz-Konservativer unter der Patronage von Franz Josef Strauß. Diesem Ruf wird er nicht mehr gerecht. Geblieben ist ein Freigeist, der sich Fraktionszwängen und Parteiloyalität ungern unterwirft. Insofern bewahrt der Rückzug die Glaubwürdigkeit des knorrigen, kauzigen und manchmal sturen Oberbayern. Seine Zeit ist vorbei - stünde sein Entschluss jedoch für das Verschwinden kantiger Persönlichkeiten insgesamt aus einem zunehmend normierten Politikbetrieb, wäre das ein Warnzeichen.