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Stuttgart 21
ROLAND MÜLLER  Uhr

Seit der Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 tiefe Wunden ins Gemeinwesen in Stadt und Land gerissen hat, ist "Bürgerbeteiligung" zum Zauberwort für Politiker und Planer von Großprojekten geworden. Ob Energiewende, Straßen- oder Flughafenbau: Der Bürger soll möglichst früh mitreden - und mitentscheiden.

Doch sobald die Dinge komplizierter werden, als nur "ja" oder "nein" zu einem Projekt zu sagen, wird es heikel und schwierig. Nicht ohne Grund beschäftigen sich heute ganze Forschungsinstitute damit, Modelle für sinnvolle Beteiligungsverfahren aufzustellen.

Ob diese Experten der Landesregierung zum Filderdialog gratulieren würden, darf bezweifelt werden. Das Vorzeigeprojekt für die neue Politik des Gehörtwerdens stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Auf der einen Seite zeigten viele Bürger kein Interesse am Mitreden - auf der anderen Seite nutzten seit langem eingebunkerte S-21-Kontrahenten den Dialog als Plattform für politische Störfeuer.

Der größte Konstruktionsfehler war aber die fehlende Transparenz: Niemandem war klar, welche Spielräume es überhaupt noch gibt bei der Anbindung des Flughafens an S 21. Am Ende dieses "Blindflugs" steht nun ein Ergebnis, das allen Vereinbarungen der Projektträger widerspricht - und das Potenzial für neue Bürgerproteste in sich trägt. Von einer Konsenslösung kann angesichts der 63:44-Abstimmung ohnehin nicht geredet werden.

Dieses Bürgervotum wird nun zurück in den Mahlstrom der Interessen im Streit um Stuttgart 21 geworfen. Es müsste schon ein Wunder geschehen, damit am Ende des Dialogs etwas anderes übrig bleibt als Frust.