Was für ein erfrischender Anblick: Gut gelaunt betritt Xi Jinping als neuer Chef von Chinas Kommunistischer Partei den Saal. Er spricht frei, lächelt und hat für die Journalisten freundliche Worte übrig. Damit unterscheidet sich Chinas neues Staatsoberhaupt fundamental von seinen Vorgängern, die stocksteif vom Blatt ablasen und es mieden, das Publikum auch mal freundlich anzuschauen.

Doch dann die Enttäuschung: Unter den sechs weiteren künftigen Mitgliedern des Ständigen Ausschusses des Politbüros, dem Machtzentrum von Staat und Partei, sind zwei Hardliner: Mit Zhang Dejiang und Liu Yunshan hat sich das konservative Lager durchgesetzt. Mutige Reformer bleiben draußen.

Wahrscheinlich aber waren die Erwartungen ohnehin zu hoch gesteckt. Denn wer ernsthaft gedacht hat, mit mehr Reformern an der Spitze würde sich die KP grundlegend ändern, der wäre eh enttäuscht worden. Dafür ist der Apparat zu starr. Wirklichen Wandel gibt es in China nur sehr langfristig oder mit einer Revolution.

Dennoch sieht es nicht nur düster aus: China erlebt seine größte Veränderung seit vielen Jahrzehnten. Eine selbstbewusste Mittelschicht ist entstanden, das Bildungsniveau steigt, übers Internet sind die Menschen besser vernetzt als jemals zuvor. Im ganzen Land gehen die Menschen auf die Straße und lassen sich Behördenwillkür nicht länger gefallen. Dieser Entwicklung können sich auch die Hardliner der neuen Führungsriege nicht verschließen. Tun sie es trotzdem, wird ihre Zusammensetzung beim nächsten Parteitag in fünf Jahren eine andere sein - falls es einen solchen überhaupt noch gibt.