KOMMENTAR · BUNDESBANK: "So nicht" reicht nicht

ROLF OBERTREIS 01.09.2012

Verbindlich im Ton, freundlich im Auftreten, hart in der Sache: So hat sich Jens Weidmann in der Bankenszene, vor allem aber in der internationalen Notenbankerszene, seit seinem Amtsantritt im Mai 2011 einen exzellenten Ruf erarbeitet. Auch in der Bundesbank kommt der ehemalige Berater von Kanzlerin Angela Merkel gut an - viel besser als sein Vorgänger Axel Weber.

Ein Rücktritt Weidmanns wäre nicht nur ein schwerer Schlag für die Bundesbank, sondern auch eine weitere Belastung für die Europäische Zentralbank (EZB) - obwohl mit Weidmann der intern schärfste Kritiker des aktuellen Kurses der Notenbank gehen würde. Auch für die Bundesregierung wäre der vorzeitige Abgang eine mittlere Katastrophe.

Wer jetzt und warum Gerüchte streut, der oberste Bundesbanker habe angeblich seinen Rückzug erwogen, ist unklar. Klar aber ist: Weidmann hat trotz seiner Kritik an der EZB, die konsequent in der Tradition der Bundesbank steht, immer wieder glaubhaft bekräftigt, dass er bleibt.

Weidmann ist nicht der Typ, der hinschmeißt. Er weiß, dass er in der Notenbank viel mehr bewirken und für einen stabilen Euro tun kann, denn als beleidigter Kritiker von außen. Freilich: Weidmann kann es nicht immer nur beim "so nicht" bewenden lassen. Er muss endlich auch eine realistische Alternative zum Kurs der EZB aufzeigen. Da hat man vom jüngsten Bundesbank-Chef aller Zeiten noch viel zu wenig gehört.

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