KOMMENTAR · BÖRSENFUSION: Widerstände unterschätzt

ROLF OBERTREIS 02.02.2012

Rund 100 Millionen Euro soll die Deutsche Börse ausgegeben haben, für Anwälte, für Berater, für Marketing, um die Fusion mit der New Yorker Börse endgültig unter Dach und Fach zu bringen. Eine Anzeigenkampagne mit Finanzexperten und Prominenten wurde geschaltet. Es hat nicht gereicht.

Kritische Stimmen gab es nicht nur im Betriebsrat der Deutschen Börse, der mehrere hundert Arbeitsplätze bedroht sah. Die Furcht ging um, dass die Börse in Frankfurt und der Finanzplatz von den Managern in New York bestimmt würden. Zu recht.

Reto Francioni hat die Widerstände gegen die mit überschäumender Euphorie angekündigte Fusion unterschätzt. Der Schweizer spricht von einem schwarzen Tag für Europa. Der Chef der Börse übertreibt. Maßlos. Für das deutsche Finanzzentrum muss das Nein aus Brüssel kein Rückschlag sein.

Als die New Yorker 2008 mit der Pariser Börse Euronext fusionierten, sahen die Franzosen ein Zusammengehen auf Augenhöhe. Davon ist heute keine Rede mehr. Der Finanzplatz Paris spielt in Europa allenfalls die zweite Geige.

Die Deutsche Börse kann gestärkt aus der geplatzten Fusion hervorgehen. Sie ist solide, hat wichtige Partner in Asien. Ob Francioni nach dem dritten gescheiterten Fusionsvorhaben weiter der richtige Mann an der Spitze ist, muss sich allerdings zeigen. Gestern ließ der Schweizer solche Fragen nicht zu. Souveränität sieht anders aus.