Seit Jahren gilt Prostitution in Deutschland nicht mehr als sittenwidrig. Dennoch muss sich Bettina Wulff nicht als Ex-Prostituierte bezeichnen lassen, wenn sie keine war. Genauso wenig wie sie Schlagzeilen dulden muss wie "Bettina Wulff ist SPD-Mitglied", wenn es nicht stimmt. Mit ihrer eidesstattlichen Versicherung hat Bettina Wulff klargemacht: Da war nichts, die Gerüchte sind falsch. Es gibt auch keinen einzigen Beweis für das Gegenteil. Und niemand kann sich herausreden, er habe das ganze ja als Gerücht gekennzeichnet, das er nur gehört habe. Auch die Verbreitung falscher Gerüchte verletzt das Persönlichkeitsrecht.

Ähnlich ist es mit der Funktion in Googles Suchmaschine, die Suchbegriffe selbst vervollständigt. Wenn bei der Eingabe von "Bettina Wulff" sofort ergänzt wird "Bettina Wulff Prostituierte", dann wird zwar vom Computer nur aufgegriffen, was die Nutzer so suchen. Letztlich wird mit dieser Zeile aber eben auch das falsche Gerücht verbreitet.

Das sieht die Rechtsprechung derzeit zwar noch anders, aber vermutlich nicht mehr lange. Schließlich greift Google in die Auto-Fill-Funktion ein, etwa wenn es um Urheberrechtsverletzungen geht.

Sicher wird durch die neue Welle der Berichterstattung mancher auf das Gerücht aufmerksam, der es noch gar nicht kannte. Das hat Bettina Wulff einkalkuliert. Sie will ja, dass ein falsches Gerücht als falsch erkannt wird. Diese Botschaft muss sie aktiv setzen und damit auch verbreiten. Und vermutlich hat auch Bettina Wulffs neue Rolle als Autorin die Bereitschaft erhöht, diesen Streit durchzustehen. Die Medienaufmerksamkeit ist ja zugleich Werbung für ihr Buch, ganz nebenbei.