KOMMENTAR · BAHNPROJEKT: Die Strecke darf nicht scheitern

HANS-ULI THIERER 06.02.2013

Allen Dementis, Durchhalteparolen und Verweisen auf das Ergebnis des Volksentscheids zum Trotz: Von Tag zu Tag steigt das Risiko, dass davonlaufende Kosten Stuttgart 21 doch noch zum Verhängnis werden. Gesetzt den Fall, die Tieferlegung des Hauptbahnhofs käme nicht, bliebe nach jetzigem Stand auch die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm auf der Strecke. Denn unter Ministerpräsident Günther Oettinger waren Tiefbahnhof und Neubaustrecke gegen alle warnende Stimmen vieler Skeptiker aneinander gekoppelt worden. Angeblich untrennbar, weshalb beide Milliardenprojekte zusammen ja auch als "Stuttgart-Ulm" firmieren.

Doch so weit darf es nicht kommen. Wohl handelt es sich bei S 21 außer um eine Bahnhoftieferlegung auch um eine Jahrhundertchance für die Stadtentwicklung in der baden-württembergischen Landeshauptstadt - ein Aspekt, über den sich der neue Grünen-OB Fritz Kuhn bislang vornehme Zurückhaltung auferlegt. Aber: S 21 ist letztlich ein lokales Projekt.

Die Neubaustrecke hingegen ist von internationalem Rang. Ihre Relevanz besteht in doppelter Hinsicht: Die Strecke ist Teil der schnellen Schienenmagistrale Paris-Bratislava. Ohne sie bliebe ausgerechnet einer der wirtschaftsstärksten Räume der Republik dauerhaft von diesem schnellen Netz abgekoppelt. Wegen fehlender 70 Kilometer.

Zum anderen entstünde als Kollateralschaden für den Fall, dass die Strecke scheiterte, ein Imageverlust für das Land. Hohn und Spott in halb Europa wären ihm sicher. Das Berliner Flughafen-Debakel lehrt dies. Die Strecke ist, sollte es Spitz auf Knopf kommen, für Württemberg und Bayerisch-Schwaben unabdingbar.

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