KOMMENTAR · ARBEITSMARKT: Fast eine Insel der Seligen

HELMUT SCHNEIDER 01.02.2012

Es ist gut, dass die deutsche Arbeitslosenstatistik dieses Mal den Zahlen in einigen europäischen Ländern gegenübergestellt ist. Das rückt die Perspektive zurecht und bremst so womöglich die verbreitete Unsitte ein, selbst bei bestem Befund noch mit Genuss das Haar in der Suppe zu suchen.

Ein großes Wort, aber im EU- Vergleich stimmt es: Deutschland ist bei der Beschäftigung fast so etwas wie die Insel der Seligen. Um diese Arbeitslosenzahlen beneiden uns die europäischen Nachbarn. Anders gewendet: Die Vorstellung, dass in Deutschland ein Drittel oder mehr der Jugendlichen ohne Job sind wie in den Südländern, mutet geradezu surreal an. Doch für Spanien oder Portugal ist es bittere Realität.

Aber auch im EU-Durchschnitt ist die Arbeitslosigkeit deutlich höher. Woran liegt das? Es hängt tatsächlich damit zusammen, dass die Lohnentwicklung der letzten zehn Jahre maßvoll war - auch wenn das Lohnniveau immer noch überdurchschnittlich ist. Es liegt zweitens daran, dass der Arbeitsmarkt flexibler geworden ist. Damit können Firmen auf die Formen von Beschäftigung ausweichen, die so gern in Misskredit gebracht werden: Teilzeit, Befristung, Zeitarbeit. Die Produktqualität ließ den Export brummen.

Hohe Beschäftigung steigert zudem den Konsum. Weil der seit vielen Monaten prognostizierte Einbruch am Arbeitsmarkt bisher ausgeblieben ist, darf leise gefragt werden: Vielleicht fällt er ja auch künftig aus?