Bethlehem Kometenhafter Aufstieg

Bethlehem / WOLFGANG RISCH 23.10.2013
Der Komet "Ison" rast durch das Sonnensystem und wird, geht alles gut, im Dezember zu sehen sein. Schon werden Vergleiche bemüht.

Der Typ hat es verdammt eilig. Fast scheint es, als wolle er mit seinem kometenhaften Aufstieg die in ihn gesetzten Hoffnungen/Erwartungen/Befürchtungen erfüllen. Doch noch einmal ganz von vorn.

Im September vorigen Jahres richteten zwei russische Amateure - Witali Newski und Artjom Nowitchonok - ein 40-Zentimeter-Teleskop auf das Sternbild Krebs, und da stach er ihnen alsbald ins Auge: Der Komet "Ison" rast mit mehr als 75 000 Kilometern in der Stunde Richtung Inneres Sonnensystem, und falls er sich als robust erweist, wird er seine Annäherung an die Sonne relativ unbeschadet überstehen. So genau weiß das im Moment zwar noch niemand. Die Hoffnungen aber sind groß in manchen Kreisen.

Ison (benannt nach dem Teleskop des International Scientific Optical Network) könnte als neuer "Weihnachtsstern" von sich reden machen, deshalb sind hauptsächlich christliche Nachrichtenagenturen auf das Thema aufmerksam geworden. "Just zum Weihnachtsfest", meldet der evangelische Pressedienst epd, werde Ison erwartet, "tagelang" würde Isons Schweif dann am Himmel stehen und auch "mit bloßem Auge" zu sehen sein.

Schaun mer mal. Fest steht lediglich, dass Ison sich rasant nähert, Anfang Oktober in einer Entfernung von etwa elf Millionen Kilometern am Mars vorbeigeflogen ist und sich Ende November bis auf 1,8 Millionen Kilometer der Sonne nähern wird, was nur etwas mehr als deren Durchmesser entspricht und in astronomischen Kreisen als "sehr nah" gilt. Und dann kommt die Stunde der Wahrheit.

Ison wird bei seinem Vorbeiflug an der Sonne enormen Kräften ausgesetzt sein, er kann von den Anziehungskräften zerfetzt werden oder einfach verdampfen. Drücken wir dem Kometen also die Daumen, auf dass er die Rotation um den Zentralstern unbeschadet übersteht und den Weg zurück in die Oortsche Wolke findet, von wo er höchstwahrscheinlich kommt und wo es von Kometen nur so wimmelt.

Ein "Weihnachtsstern" ist Ison dann aber noch nicht, "hell strahlen wie der Vollmond" (epd) wird er keinesfalls. Eher erreicht er die Helligkeit der Venus - immerhin. Man muss ja nicht alles nachmachen.

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