Es war ein erbärmlicher Auftritt, den der Pater G. Ende Januar diesen Jahres vor dem Münchner Landgericht lieferte. Er habe als Erzieher im oberbayerischen Benediktinerkloster Ettal keine Buben missbraucht, beteuerte er. Vielmehr habe er die Kinder nur getröstet, gestreichelt, ihnen Nähe gegeben.

Erst als mehrere damalige Schüler aussagen und sich die Vorwürfe erhärten, gesteht der Mönch die Wahrheit: Er hat drei Buben in den Jahren 2001 bis 2005 in insgesamt 21 Fällen sexuell missbraucht, hat sie minutenlang im Genitalbereich angefasst. In einem "Deal" mit dem Gericht erhält er dafür 22 Monate auf Bewährung. Für den Verein "Ettaler Misshandlungs- und Missbrauchsopfer" ist das zu wenig, denn Bewährung sei "keine Strafe".

Der Prozess gegen Pater G. war wohl vorerst der letzte seiner Art. Alle weiteren Missbrauch-Straftaten gelten als verjährt, das Thema strafrechtlich als abgeschlossen. Doch vorbei ist nichts. "Jeder muss mit seinem Päckchen leben", sagt Robert Köhler vom Opfer-Verband.

Das Fazit von Ettal: 70 ehemalige Schüler sind mit insgesamt 700.000 Euro entschädigt worden, darin ist auch Geld für Therapien enthalten. Eine Dokumentation der jahrzehntelangen Übergriffe wurde erstellt. Nach Angaben des Vereins waren zeitweise 30 bis 70 Prozent der Erzieher und Lehrer von Ettal in Missbrauch und Gewaltanwendung gegen die Kinder zumindest verwickelt. Insgesamt sei die Aufarbeitung und Entschädigung "sehr gut verlaufen", meint Robert Köhler.

Wesentlich schwieriger verläuft die Verständigung zwischen Kirche und Opfern im Falle der Regensburger Domspatzen, des weltberühmten Knabenchors des Regensburger Domes. Vor allem in der Vorschule wurden Jungen gequält und geschlagen - mit der Hand, dem Stock oder dem Schlüsselbund. Auch gibt es Berichte über sexuelle Gewalt. Das Bistum aber, so meinen Kritiker, hätte seit 2010 eine Aufklärung eher verhindert durch Leugnen und Vertuschen. Besonders neuere Fälle seien ausgeblendet worden.

Ende Februar erklärte das Bistum, bisher lägen 72 Berichte ehemaliger Schüler vor. Man habe beschlossen, den Betroffenen je 2500 Euro als Schmerzensgeld zu zahlen.