Kommentar Martin Hofmann zum Insektenschutz Klasse statt Masse

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Autorenfoto © Foto: Könneke Volkmar
Berlin / Martin Hofmann 21.06.2018

Aktion heißt sofortiges Handeln. Kommt das Wort Programm dazu, bedeutet dies: Geduld. Es dauert, bis wir die Pläne umsetzen. Immerhin hat das schwarz-rote Bundeskabinett nun Eckpunkte zum Insektenschutz verabschiedet. Und die anvisierten Ziele könnten  eine Trendumkehr dieses Artenschwundes bewirken, wenn sie in konkrete Vorgaben münden.

 Zeit wird es, sich um diese Tierchen zu kümmern. Da geht es vorrangig nicht einmal so sehr um Honigbienen. Sie werden von ihren Imkern umsorgt. Mehr als die Hälfte ihrer wildlebenden Artgenossen sind vom Aussterben bedroht. Mit ihnen schwinden Nützlinge, die etwa die Zahl von Schädlingen im Zaum halten. Das ist notwendig, um dieses filigrane Gleichgewicht zu erhalten.

Zu denken geben muss allerdings, dass Honigbienen bereits im August in unserer monotonen Agrarlandschaft keine Nahrung mehr finden. Daran gilt es anzusetzen. Das Programm der Bundesregierung spricht von Strukturvielfalt auf Äckern und Wiesen. Wird sie wieder hergestellt, können Landwirte auch leichter auf das Ausbringen von mehr Dünger und Pestiziden verzichten. Sie müssen dafür mit Einbußen ihres Ertrags rechnen. Dies gilt auch für  blühende Ackerrandstreifen oder Hecken.

Ob die Gesellschaft Bauern Einnahmeausfälle zugunsten der Bestäuber ersetzt, ist rasch zu klären. Getreidebauern, die seit Jahren auf Spritzmittel verzichten, sagen, dass sie mit ungespritztem Korn mehr einnehmen als sie durch geringeren Hektarertrag verlieren. Dass die amtierende Regierung in der Agrarpolitik aber Abschied nimmt von Masse und künftig klar auf Klasse setzt, muss sie erst noch beweisen.

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