Konflikt Nukleartest in Nordkorea: Kims sechste und gefährlichste Bombe

Eine Mitarbeiterin der südkoreanischen Erdbeben- und Vulkan-Behörde informiert über ein vermutlich künstlich ausgelöstes Beben in der Region.
Eine Mitarbeiterin der südkoreanischen Erdbeben- und Vulkan-Behörde informiert über ein vermutlich künstlich ausgelöstes Beben in der Region. © Foto: dpa
Peking / Felix Lee 04.09.2017
Nordkorea hat am Sonntag seinen bislang stärksten Nukleartest vorgenommen und nach eigenen Angaben eine Wasserstoffbombe gezündet.

Erschütterungen sind die Chinesen an der Grenze zu Nordkorea nach fünf Nukleartests zwar gewohnt. Doch dass die Erde so schlimm beben würde wie an diesem Sonntagmittag – damit hat dann doch keiner gerechnet. „Ich habe meine Unterhose angezogen und bin nur gerannt“, schreibt ein Bewohner der Grenzregion Yanbian über den Kurznachrichtendienst Wechat. Zehntausende seien panisch aus ihren Häusern gerannt, berichtet das chinesische Staatsfernsehen.

Zum sechsten Mal hat das Regime in Pjöngjang unterirdisch eine nukleare Bombe testen lassen. Von „mindestens zwei schweren Erschütterungen“ berichten die chinesischen Staatsmedien. Zunächst habe es auf nordkoreanischer Seite mittags gegen 12.30 Uhr eine schwere Explosion gegeben. Erdbebenwarten weltweit haben eine Magnitude der Stärke 6,3 am Ort der Explosion gemessen – zehn Mal stärker als der Test vor einem Jahr, dem bis dahin stärksten Nukleartest der Nordkoreaner.

Die Bestätigung aus Pjöngjang ließ nicht lange auf sich warten. In ein rosa Gewand gekleidet verkündete eine freudestrahlende Nachrichtensprecherin mit feierlicher Stimme etwa eine Stunde später die „erfolgreiche Zündung einer Wassserstoffbombe“. Sie habe „eine beispiellose Kraft“ entfaltet und sei ein „sehr bedeutsamer Schritt beim Erreichen des Ziels, zu einer Atommacht aufzusteigen. Zudem könne mit dieser Bombe auch eine Langstreckenrakete bestückt werden. Ob es sich jedoch um die Explosion einer Wasserstoffbombe handelte, wie von Nordkorea behauptet, wird derzeit noch geprüft.

Der Zorn über Nordkoreas erneuten Test ist weltweit groß. Japan forderte unverzüglich eine Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates, bereits zum zweiten Mal in einer Woche. Erst am Dienstag versetzte der nordkoreanische Diktator Japans Bewohner in Angst, als er eine ballistische Rakete über den Norden des Inselstaates feuern ließ.

Nordkorea hat mit Waffentests wiederholt gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrates verstoßen – bislang gab es sieben Sanktionsrunden. Nachdem Pjöngjang im Juli zwei Interkontinentalraketen getestet hatte, die womöglich auch Ziele auf dem US-Festland erreichen können, hatte der UN-Sicherheitsrat eine Verschärfung der Strafmaßnahmen beschlossen.

Auch China ist verärgert. Das Außenministerium verurteilte in ungewöhnlich scharfen Worten das Vorgehen Nordkoreas und kündigte „entschiedenen Widerstand“ an. Nordkorea solle aufhören, „falsche Aktionen zu unternehmen, die die Situation verschlimmern“. Das Umweltministerium aktivierte erstmals einen neuen Krisenmechanismus zur Überwachung der Radioaktivität in den drei Nordkorea am nächsten gelegenen Provinzen. Die Messergebnisse seien aber „normal“, hieß es.