Nordkorea Kim Jong Un setzt auf Chinas Interessen

Morgendämmerung am Yalu. Über diese Brücke läuft ein großer Teil des Handels zwischen Nordkorea (hinten) und China.
Morgendämmerung am Yalu. Über diese Brücke läuft ein großer Teil des Handels zwischen Nordkorea (hinten) und China. © Foto: afp/Fred Dufour
Peking/Pjöngjang / Felix Lee 09.06.2018

Soldaten patrouillieren in der Abfertigungshalle. Alle paar Meter stehen bewaffnete Polizeieinheiten. Wegen der Kontrollen bilden sich lange Schlangen. Seit Wochen herrscht am Internationalen Flughafen von Peking immer wieder die höchste Sicherheitsstufe. Denn der Flughafen hat sich zum Drehkreuz für die Nordkorea-Diplomatie entwickelt.

Vor knapp zwei Wochen war ein Verhandlungsteam des Weißen Hauses auf dem Weg nach Pjöngjang zur Zwischenlandung in Peking. Wenige Tage später flog der nordkoreanische Parteifunktionär und frühere Geheimdienstchef Kim Yong Chol über Peking in die USA, um US-Außenminister Mike Pompeo zu treffen.

Wenige Tage vor dem Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un läuft die diplomatische Maschine auf Hochtouren. Trump fordert von Nordkorea die Aufgabe aller Atomwaffen. Das Kim-Regime fordert eine Sicherheitsgarantie und will ein Ende der Sanktionen sowie Wirtschaftshilfe.

China und Nordkorea gelten als enge Verbündete. Doch die nordkoreanischen Atom- und Raketentests der vergangenen Jahre hatten die Beziehungen schwer belastet. Dann kam zu Beginn des Jahres Kims Charmeoffensive und seine erstmals geäußerte Bereitschaft, einer Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel grundsätzlich zuzustimmen. Darüber, was das konkret heißt, geht die Meinung unter den Konfliktparteien zwar weit auseinander. Mit einer konkreten Lösung ist am Dienstag daher nicht zu rechnen. Aber dass sich überhaupt ein US-Präsident mit einem nordkoreanischen Machthaber trifft, gilt als symbolträchtig.

Nach offizieller Lesart begrüßt die chinesische Führung das Treffen. Eine Denuklearisierung ist auch im Sinne Chinas. Die 30 000 bereits in Südkorea stationierten US-Soldaten sind Peking ein Dorn im Auge. Eine Verschärfung des Konflikts hätte zu weiterer Aufrüstung der Staaten in der Region führen können. China will den US-Einfluss in der Region eindämmen. Ein wesentliches Ziel der US-Sanktionspolitik gegen Nordkorea bestand darin, einen Keil zwischen Peking und Pjöngjang zu treiben.

Nun hat Trump Kim vorgeschlagen, es in Singapur keineswegs bei einem freundlichen Handschlag zu belassen, sondern ganz konkret ein Friedensabkommen miteinander abzuschließen. Der südkoreanische Präsident Moon Jae In könnte rasch eingeflogen werden. China soll nicht dabei sein.

Die chinesische Führung reagiert selbstbewusst: Werde Peking nicht ausreichend eingebunden, sei jedes Abkommen zum Scheitern verurteilt. Das klingt nach einer Drohung. Für Kim ist das eine weitere Karte, die er in Singapur sicherlich geschickt auszuspielen vermag.

Seite an Seite mit Russland

Vor dem Hintergrund der Spannungen mit den USA haben Chinas Staatschef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin bei einem Treffen in Peking die engen Beziehungen zwischen ihren Ländern bekräftigt.  Xi sagte, China und Russland hätten den Ausbau ihrer Beziehungen immer als „Priorität“ betrachtet. afp

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