John Kerry klang dieser Tage wie ein einsamer Rufer in der Wüste. Man müsse alles tun, um den Krieg im Jemen so schnell wie möglich zu beenden, erklärte der krisengewohnte US-Außenminister. Seit die von der Uno vermittelten Friedensgespräche in Kuwait Anfang August scheiterten, ist der Krieg in voller Härte wieder entbrannt.

Ununterbrochen fliegt Saudi-Arabien Angriffe auf seinen südlichen Nachbarn, bei denen laut Uno täglich mehr als hundert Menschen sterben. Die Huthi-Miliz rächt sich durch ständige Attacken auf saudisches Territorium, um ihrem Gegner in der Grenzregion „möglichst große Schmerzen“ zu bereiten, wie es einer ihrer Anführer formulierte. Die Terrororganisationen Al Kaida und „Islamischer Staat“ wüten in dem geschundenen Land mehr als zuvor. Am Montag fuhr ein IS-Selbstmordattentäter sein Bombenauto in eine Menge wartender Regierungsrekruten und riss 54 Menschen mit in den Tod. Al Kaida ist inzwischen auf mehr als einem Drittel des Staatsgebietes präsent.

Für Saudi-Arabien könnte sich das Unheil, das es im Nachbarland angerichtet hat, zu einer Art Vietnam auf der Arabischen Halbinsel entwickeln. Das ursprüngliche Kriegsziel – die Huthis aus der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zu vertreiben und dort die Regierung des von Rebellen gestürzten Präsidenten Abed Rabbo Mansour Hadi wieder einzusetzen – ist unerreichbar geworden. Stattdessen ist der Jemen in drei Machtzonen zerfallen: die Huthis im Norden und Westen, die von Riad gestützten Hadi-Kräfte im Süden, Zentrum und im Osten sowie Al-Kaida-Enklaven im Zentrum und entlang der Küste.

Und so werden die saudischen Auskünfte über ihre Kriegsziele im Armenhaus der arabischen Welt immer konfuser und widersprüchlicher. Im Juli gab der saudische Außenminister Adel al-Jubeir auf einer internationalen Sicherheitskonferenz in Brüssel einen halbstündigen Überblick zur Außen- und Sicherheitspolitik seines Landes. Den Jemen erwähnte er nur ganz nebenbei als eine der Nationen, mit denen das Königreich „Spannungen“ habe. Drei Monate zuvor hatte er gesagt, der Krieg im Jemen sei nicht mehr länger ein Krieg gegen die Huthis, die er als „unsere Nachbarn“ titulierte, sondern fortan ein Krieg gegen Al Kaida.

Als der saudische Verteidigungsminister und Vizekronprinz Mohammed bin Salman im Juni Washington besuchte, erklärte einer seiner engsten Berater geladenen Gästen eines offiziellen Festessens, Saudi-Arabien wolle weder die Hadi-Regierung zurück an die Macht bomben noch Al Kaida bekämpfen. Man wolle schlichtweg die Entstehung eines zweiten Libyens verhindern, also eines chaotischen, von Milizen und Warlords beherrschten Landes.

Das Weiße Haus dagegen spiegelte das Gespräch von Mohammed bin Salman und Barack Obama mit den Worten wider, „der Präsident begrüßt die Absicht Saudi-Arabiens, den Konflikt durch eine politische Lösung zu beenden, die dringende humanitäre Not anzupacken und das Land wiederaufzubauen“.

Davon ist seit drei Wochen keine Rede mehr. Stattdessen sprechen wieder die Waffen, ohne dass die Führung in Riad noch sagen könnte, was sie politisch, militärisch und strategisch in dem malträtierten Nachbarland erreichen will. 9000 Menschen verloren nach Uno-Schätzungen bisher ihr Leben, 80 Prozent der Jemeniten fehlt das Nötigste.

Nur Waffen gibt es nach wie vor genug. Nach Angaben des „Internationalen Instituts für Strategische Studien“ kauft Saudi-Arabien jährlich Kriegsgerät für rund 80 Milliarden Dollar. Hinter den USA und China hatte das Königreich 2015 den drittgrößten Militärhaushalt der Welt. Trotzdem kann Saudi-Arabien die Barfußkrieger der Huthis weder vertreiben noch besiegen. So könnte sich der Krieg zu einem Open-End-Massaker ausweiten, das den Jemen am Ende genauso ruiniert wie Syrien.