Kein einziges Ölfeld profitabel

PETER DE THIER 12.02.2016
Viele Ölunternehmen in den USA fördern nur noch, um ihre Gläubiger bedienen zu können. Besserung für die Branche ist nicht in Sicht.

Mehr als 40 Jahre lang haben die USA ihren Unternehmen verboten, Rohöl zu exportieren. Die Idee dahinter: Man wollte sich nicht von anderen abhängig machen, sondern den Rohstoff für das eigene Land verwenden. Doch in jüngster Zeit haben die Amerikaner ihre Ölförderung massiv gesteigert - vor allem mittels Fracking. Seitdem gibt es Öl im Überfluss, und das einstige Exportverbot gilt nicht mehr.

Was die einen freut, ist für andere eine Katastrophe: Autofahrer sind begeistert von den niedrigen Benzinpreisen und kaufen wieder spritsaufende Sportgeländewagen. Notenbankchefin Janet Yellen meint sogar, dass der gesamtwirtschaftliche Effekt des Preisverfalls positiv sein könnte, da er den Privatkonsum ankurbelt. Zugleich müssen viele Ölproduzenten um die Existenz fürchten. Experten gehen davon aus, dass mehr als 150 womöglich Konkurs anmelden müssen. Unternehmen, die nicht untergehen, werden kleinere Konkurrenten schlucken.

Beim derzeitigen Preis ist kein einziges Ölfeld in den USA mehr profitabel. Besonders düster sieht es für Fracking-Unternehmen aus, die erst bei 60 bis 70 Dollar pro Barrel kostendeckend produzieren können. Viele überschuldete Ölunternehmen fördern nur noch, um ihre Gläubiger befriedigen zu können. Einziges Ziel sei es im Moment zu überleben, sagt Danny Campbell, Vorstandschef von Permian Basin Petroleum Association, über die Stimmung in der Branche. Hilfe aus Washington, wo man seit Jahren auf erneuerbare Energien setzt, ist jedenfalls keine zu erwarten.