Ulm Kathrin Hartmann: Konzentrat des Wahnsinns

Ulm / BERTHOLD MERKLE 09.09.2015
Was hat die Tütensuppe mit der Zerstörung des Regenwaldes und der Ausbeutung von Menschen zu tun? Sehr viel, meint Kathrin Hartmann.

Die 1972 in Ulm geborene Autorin ist nach Indonesien gereist, dorthin wo das Palmöl wächst, und mit einem erschütternden Bericht zurückgekommen. In ihrem Buch "Aus kontrolliertem Raubbau" rechnet die Journalistin mit dem Begriff der Nachhaltigkeit ab. Für die Autorin ist das viel gepriesene "Grüne Wachstum" in Wahrheit nichts als ein große Verdummungsaktion. Mehr noch: "Im Namen der Nachhaltigkeit" würden die letzten Regenwälder dieser Erde abgeholzt, Menschenrechte mit Füßen getreten und sogar Morde begangen.

Die scharfen Kontraste, der rasche Wechsel der Schauplätze und der Akteure, machen das Buch zu einer atemberaubenden Lektüre. In ihren Momentaufnahmen zeigt die Autorin, wie verwoben das Lügengeflecht der Allianz aus Industrie, Regierungen und Umweltverbänden ist. Insbesondere der WWF bekommt ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Die Autorin weist dieser Organisation systematische Kungelei mit der Palmölindustrie nach. Die Verlierer seien die ursprünglichen Bewohner der Wälder: Sie werden vertrieben, wenn Schutzgebiete ausgewiesen werden.

Der Hauptvorwurf: "Grüne Technologien" seien nur der "moralische Blitzableiter", um Wirtschaftswachstum zu erhalten. Dafür gebe es Auszeichnungen wie den "Deutschen Nachhaltigkeitspreis". Mit ihm werden Konzerne wie Unilever geehrt, die jährlich 1,5 Millionen Tonnen Palmöl verbrauchen.

Tagelang ist Kathrin Hartmann durch die Plantagen gefahren. Für sie ist klar: Nachhaltiges Palmöl gibt es nicht. Der Regenwald werde unwiederbringlich zerstört. Statt sich selbst von ihrem Boden zu ernähren, seien die ehemaligen Urwaldbewohner von der Laune der Konzerne abhängig: Ausbeutung, Willkür und Missbrauch. Erschüttert schildert die Autorin, wie Arbeiter, die ihre Rechte einfordern, von der Polizei totgeschlagen werden - für einen billigen Rohstoff für Kosmetika und Fertignahrung. Die Tütensuppe ist für die Autorin "das Symbol für die Zurichtung zum schlechten Leben, als Konzentrat des Weltwahnsinns".

Nach den deprimierenden Erfahrungen zieht die 43-Jährige eine niederschmetternde Bilanz. Dennoch ist sie am Ende nicht verzweifelt. Denn bei allem Leid und Elend hat sie viele guten Beispiele gesehen, die Hoffnung machen.

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