Es war ein Konflikt mit Ansage: Wochenlang kochte die Debatte über die Einladung des kirchenpolitischen Sprechers der AfD, Volker Münz, zum Katholikentag in Münster. Darf er wie die kirchenpolitischen Sprechern anderer Parteien zu einer Diskussion eingeladen werden, oder sollte man den Vertreter der größten Oppositionspartei im Bundestag ignorieren? Das bunte Bündnis "Keinen Meter für Nazis" war für Ausschluss - und hatte zum Protest gerufen. "Das ist keine bürgerliche Parte, sondern eine Partei des Hasses, des Rassismuses und der Ausgrenzung", rief Carsten Peters, der Sprecher des Bündnisses, in Münster vor rund 1000 meist jungen Demonstranten ins Mikrofon. Doch auch eine weißhaarige Frau klatscht voller Zustimmung. "Ich fürchte, dass die Rechtspopulisten zur Normalität erklärt werden können," sagt sie. treibt sie. Große Plakate mit der Aufschrift "Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda" hängen an Laternenmasten, auf dem Asphalt prangt in blauer Schrift "Hass ist keine Meinung". Ingrid Grabbe, eine andere Demonstrantin, setzt auf Selbstgebasteltes: ein Plakat mit einem trojanischen Pferd, in dessen Inneren sich die AfD versteckt. Im bisher katholisch geprägten Münster erhielt die AfD bei allen vergangenen Wahlen stets außerordentlich schlechte Ergebnisse. Wie unerwünscht die AfD ist, zeigte sich auch bei dem von an die 100.000 Menschen besuchten Katholikentag.

Szenenwechsel: Spannungsgeladene Ruhe in der Messehalle. Gleich sprechen die kirchenpolitischen Sprecher von CDU, SPD, Grünen, FDP, Linken und AfD zur Frage "Nun sag`, wie hast du`s mit der Religion". Schon nach wenigen Minuten, bei der Vorstellung von Volker Münz, Tumult. "Kein Frieden mit der AfD", skandiert eine Gruppe von rund 15 jungen Leuten Saal und stürmt zum Podium. Es kommt zum Gerangel. Sicherheitskräfte sorgen schließlich für Ruhe und drängen die Protestierenden aus dem Raum. Doch entspannte sich die Lage nicht. Für die gut 1000 Zuhörer standen zu wichtige Fragen zur Diskussion: Wo zeigt sich christlicher Glaube in der Politik? Was darf die Gesellschaft von Christen erwarten? Welche Folgen muss das christliche Menschenbild für das Miteinander der Religionen und der Menschen haben? Und verträgt sich das alles mit dem rechtspopulistischen Politikverständnis der AfD?

Gar nicht, betonen die Vertreter von CDU, SPD, Grünen, FDP und Linken. Positionen prallen aufeinander und mit ihnen Beifallswogen und Buh-Rufe aus dem Publikum. Es war nicht einhellig auf einer Seite. Reihenweise wurden gelb, grün, rote Kommentarkarten in die Höhe gestreckt. Volker Münz erkannte, wie er sagte, keine Widersprüche zwischen dem Programm der AfD und denn zehn Geboten. Die Vertreter der anderen Bundestagsparteien sprachen der AfD etwas Christliches im Menschenbild der Rechtspartei ab. Das AfD-Programm orientiere sich nicht an universal gültigen Menschenrechten und am Schutz von Minderheiten.

Doch wie gelangen überhaupt christliche Werte in die Politik? "Dass sich Kirchen in die Politik einmischen, ist nicht ihre Aufgabe", erklärte Münz. Als "politische Vorfeldorganisationen" von Parteien überschritten diese ihren Aufgabenbereich.

Gerade in Münster, wo Bischof Clemens August von Galen, ein mutiger Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus begraben liegt, kommt diese Aussage nicht gut an. "Kirchen hätten ihre Aufgabe nicht erfüllt, wenn sie sich nicht entschieden für Schwache einsetzten", entgegnete Kerstin Griese, die kirchenpolitische Sprecherin der SPD.

Die tiefen Gegensätze bleiben. Daran konnte und wollte der 101. Katholikentag in Münster, der am Sonntag mit einem Festgottesdienst endete, nichts ändern. In Münster wurden die konträren Positionen offen und in aller Schärfe benannt.