Medizinstudium Karlsruhe prüft Platzvergabe im Studienfach Medizin

Ferdinand Kirchhof eröffnet die Verhandlung.
Ferdinand Kirchhof eröffnet die Verhandlung. © Foto: dpa
Karlsruhe / Christian Rath 05.10.2017

Ist es mit dem Grundgesetz vereinbar, wenn fast nur Einser-Abiturienten Medizin studieren können? Darüber verhandelte am Mittwoch das Bundesverfassungsgericht und stellte die so genannten Numerus Clausus-Regeln auf den Prüfstand.

Im begehrten Studienfach Medizin kommen 62 000 Bewerber auf knapp 11 000 Studienplätze. Zurzeit werden 40 Prozent der Plätze von der Stiftung für Hochschulzulassung zentral vergeben, je 20 Prozent nach der Abinote und 20 Prozent nach der Wartezeit. Wer hier einen Studienplatz ergattern will, muss eine hervorragende Abinote von 1,0 bis 1,2 vorweisen. Die Wartezeit beträgt inzwischen 14 bis 15 Semester. Bei den übrigen 60 Prozent der Studienplätze legen die Universitäten die Kriterien fest. Allerdings spielt auch hier oft die Abinote die zentrale Rolle.

Das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hält das jetzige Verteilungssystem für verfassungswidrig, vor allem weil es die Abiturnote überbewerte. Nun muss das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Die Sachverständige Martina Kadmon, Medizinprofessorin aus Augsburg, schätzte die Bedeutung der Schulnoten differenziert ein: „Die Abiturnote kann den Studienerfolg gut vorhersagen, vor allem in den theoretischen Fächern, weniger im klinischen Teil. Sie kann aber nicht vorhersagen, ob jemand später ein guter Arzt wird.“ Isabel Molwitz von der Bundesvertretung der Medizinstudierenden kritisierte die hohe Bedeutung der Abinote. „Wer Medizin studieren will, wählt heute die Fächer in der Oberstufe nur noch mit Blick auf die Note aus.“

Der Vertreter des medizinischen Fakultätentags forderte, die Wartezeit als Kriterium für die Vergabe von Studienplätzen aufzugeben. Wer erst nach Jahren mit dem Studium beginne, habe im Schnitt weniger Erfolg und gebe oft das Studium wieder auf.

Die Richter scheinen die Abiturnote als Kriterium nicht in Frage zu stellen. Sie erwägen jedoch, eine Obergrenze für Wartezeiten einzuführen. Den Hochschulen muss der Gesetzgeber wohl konkretere Vorgaben für ihr Zulassungsverfahren machen. Das Urteil wird in einigen Monaten verkündet.