Alle Jahre wieder steht das leidige Thema auf der Tagesordnung: Ist es noch zeitgemäß, an Karfreitag und anderen "stillen Tagen" das Tanzen zu verbieten? Denn in Zeiten wachsender Säkularisierung stellen immer mehr Gruppen dies in Frage - so wie zuletzt die Grünen, die Piraten (öffentliche Kopfhörer-Veranstaltung "leise zappeln") und die Jungen Liberalen ("unangemessen und lebensfern"). Die Rechtslage ist unübersichtlich, weil Feiertage Ländersache sind und es dementsprechend 16 Gesetze gibt. Die strikteste Regelung gilt für Karfreitag, an dem in den meisten Bundesländern Tanzverbot herrscht.

In Baden-Württemberg sind Feiertage nach Paragraph 5 des Feiertagsgesetzes (FTG) als "Tage der Arbeitsruhe und der Erhebung" generell geschützt. Die verschärfte Variante ist das Tanzverbot. Es gilt gemäß 10 FTG an Allerheiligen, am - 1995 zur Finanzierung der Pflegeversicherung abgeschafften - Buß- und Bettag, am Volkstrauertag, am Totengedenktag und am 24. Dezember jeweils von 3 bis 24 Uhr sowie am Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag und am 1. Weihnachtstag sogar ganztägig. Auch an gewöhnlichen Sonntagen herrscht von 3 bis 11 Uhr Ruhe - Ausnahmen sind der 1. Mai und der 3. Oktober.

Eine gegen das Tanzverbot gerichtete Petition lehnte der Landtag in Stuttgart 2004 "wegen der großen Bedeutung, die dem verfassungsrechtlich gebotenen Schutz von Sonn- und Feiertagen zukommt" ab. Laut Innenministerium gibt es im Moment keine neue Initiative, das Gesetz zu ändern. Die Grüne Jugend fortert ein Konzept für ein "modernes Feiertagsrecht".

Der württembergische evangelische Landesbischof Frank Otfried July verteidigt das Tanzverbot: Man müsse der "Erosion der Stille" Einhalt gebieten.