Energie Kampf um den Hambacher Forst beginnt

Erste Fest- nahmen im Hambacher Forst.
Erste Fest- nahmen im Hambacher Forst. © Foto: Christoph Reichwein/dpa
Düsseldorf / Johannes Nitschmann 14.09.2018

Der NRW-Innenminister wirkt alarmiert. „Diese Pseudo-Umweltschützer wollen nicht Bäume retten, sondern unseren Staat abschaffen“, schimpft Herbert Reul. Dem 64-jährigen CDU-Politiker steht in den kommenden Tagen und Wochen der schwerste Polizeieinsatz seiner Karriere bevor. Militante Umweltaktivisten wollen die Rodung des 12 000 Jahre alten Hambacher Forstes im rheinischen Braunkohlerevier verhindern – offenbar mit allen Mitteln.

An diesem Donnerstag hat ein massives Polizeiaufgebot mit der Räumung von etwa 100 Waldbesetzern begonnen. Die Besetzer haben sich teilweise schon seit Jahren in etwa 60 Baumhäusern in einer Höhe verschanzt, um den Vormarsch der riesigen Braunkohlebagger zu stoppen. Bei der Räumung werden die mit schwerem Raumgerät und Luftkissen angerückten Eliteeinheiten der Polizei offenkundig von erfahrenen Höhlenkletterern aus ganz Deutschland und Österreich unterstützt. Angeblich soll die Anti-Terroreinheit GSG 9 in Bereitschaft stehen.

Die Grünen werfen der schwarz-gelben Landesregierung „unverantwortliche Provokation“ vor. Kirchen und Naturschutzverbände beklagen unisono „einen unnötigen Eskalationskurs“. Doch die Landesregierung verteidigt ihr knallhartes Vorgehen gegen die Waldbesetzer. „Sie wollen aus Hambach ein zweites Hamburg machen“, befürchtet Reul – beim G-20-Gipfel kam es zu blutigen Straßenkämpfen.

Nach der Hansestadt haben die gewaltbereiten Extremisten jetzt ein 200 Hektar großes Waldstück im Städtedreieck zwischen Köln, Mönchengladbach und Aachen zum zentralen Kampfplatz dieser Republik erklärt. Hier soll der Ausstieg aus dem „Klimakiller Braunkohle“ erzwungen werden. Bereits seit 40 Jahren fressen sich im Tagebau Hambach über 200 Meter lange Baggerungetüme des Energiekonzerns RWE durch die Landschaft. Bis heute wurden schon 3000 Hektar Wald abgeholzt und zig Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Nun sollen auch die restlichen zehn Prozent des Mischwaldes den Schaufelradbaggern weichen.

Der RWE-Konzern sei Eigentümer des Hambacher Forstes und habe das Recht zu roden, sagt Reul. Politisch und gerichtlich sei dies so entschieden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) fühlt sich „gebunden“ an den Beschluss der Vorgängerregierung. Die „Interventionistische Linke“, die maßgeblich die Strippen bei den Protestaktionen zum Hamburger G- 20-Gipfel gezogen hatte, hat die Braunkohle-Provinz zum „Endkampf gegen das System“ auserkoren. Gewalttätige Aktivisten werden nach den Beobachtungen des Verfassungsschutzes in Skandinavien, Großbritannien, Frankreich, den Niederlanden und der Schweiz mobilisiert. Die Parole: „Kapitalismus abschaffen – Staaten überwinden – Anarchismus organisieren.“

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel