Kommentar Elisabeth Zoll zum jüdisch-muslimischen Treffen in Auschwitz Jüdisch muslimische Begegnung in Auschwitz

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Elisabeth Zoll 10.08.2018

Es darf nur ein Anfang sein: junge Juden und muslimische Flüchtlinge aus Deutschland stellten sich in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz erstmals gemeinsam der deutschen Geschichte und den Verbrechen der Nationalsozialisten an Juden.  Zahlenmäßig war die Gruppe klein – doch die Ausstrahlung, die das  Projekt des Zentralrats der Muslime und der Union progressiver Juden haben könnte, ist groß. Es wurde von Thüringen und Schleswig-Holstein unterstützt.

Miteinander reden, nicht mehr übereinander, das ist der Kern der bisher einzigartigen Begegnung. Im Alltag in Deutschland fehlt dazu oft die Gelegenheit. Da bleiben religiöse und ethnische Gruppen  oftmals unter sich und konservieren Vorurteile, die sie aus ihrer Heimat mitgebracht oder im Familien- und Freundeskreis gepflegt haben.  Diese Zerrbilder haben fatale Folgen. Der statistisch nachweisbare Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen ist eine ernstzunehmende Herausforderung.  Die deutsche Gesellschaft reagiert darauf oftmals mit großer Ratlosigkeit.

Das Problem liegt jedoch nicht nur in den Vorurteilen: Das Wissen über die verhängnisvolle deutsche Geschichte fehlt – leider nicht nur bei Flüchtlingen oder Jugendlichen mit Migrationshintergrund.  Die KZ-Dokumentationsstätte Auschwitz  – wie andere Konzentrations- und Arbeitslager auch – geben ein Gespür für das Ausmaß des dort betriebenen Quälens und industriellen Mordens.  Die Konfrontation mit diesem Teil deutscher Vergangenheit dürfte niemandem erspart werden.  Denn sie ist ein Teil unseres Erbes. Deutschland ist nicht nur das Land des Wirtschaftswunders, es war auch eine Brutstätte großer Verbrechen.

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