Bonn Juden: AfD beobachten lassen

Bonn / KNA 20.04.2016
Michael Fürst, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinden in Niedersachsen, hat eine Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz gefordert. <i>Mit einem Stichwort: Muslime in Deutschland.</i>

Er erinnerte daran, dass viele Deutsche nach 1945 gesagt hätten, sie hätten nicht gewusst, was die Nationalsozialisten gewollt hätten. Bei der AfD könne niemand mehr sagen, nichts über ihre wahre Ausrichtung gewusst zu haben.

Nach den Worten von Fürst könnte vom AfD-Programm auch die Ausübung jüdischer Riten betroffen sein, da die Partei auch ein Schächt- sowie Beschneidungsverbot diskutiere. Das werde man keinesfalls akzeptieren.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, hat seinen Vergleich der AfD mit der NSDAP verteidigt. Es sei Fakt, dass "Ausdrücke von den AfD-Oberen" an "die dunkelsten Zeiten unserer Geschichte" erinnern, sagte er. Dies gelte etwa für Aussprüche wie "Der Islam ist ein Fremdkörper". Mazyek hatte zuvor erklärt, erstmals seit Hitler-Deutschland gebe es mit der AfD wieder eine Partei, die eine ganze Religionsgemeinschaft existenziell bedrohe.

Die stellvertretende AfD-Vorsitzende Beatrix von Storch hatte den Vergleich scharf zurückgewiesen. Ende April will die AfD ihr Grundsatzprogramm verabschieden. Dabei soll der Islam als Religion für unvereinbar mit der freiheitlichen Verfassung beschrieben werden.

Islam: Muslime in Deutschland

In Deutschland leben nach Schätzungen der Bundesregierung 3,8 bis 4,3 Millionen Muslime; davon haben rund 45 Prozent die deutsche Staatsangehörigkeit. Bei rund 82 Millionen Einwohnern beträgt der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung zwischen 4,6 und 5,2 Prozent. Mehr als 90 Prozent leben in den alten Bundesländern.

Diese Zahlen beruhen auf einer von der Bundesregierung in Auftrag gegebenen Studie "Muslimisches Leben in Deutschland" von 2008. Die in den vergangenen Monaten aufgenommenen Flüchtlinge und Asylbewerber aus dem Nahen Osten sind nicht berücksichtigt.

Drei Viertel der Muslime in Deutschland (74 Prozent) sind Sunniten, rund 13 Prozent Aleviten und 7 Prozent Schiiten. Der Rest fällt auf kleine Glaubensgemeinschaften wie Ahmadiyya, Ibaditen und Anhänger der islamischen Mystik (Sufis). Die Zahl der zur sunnitischen Glaubensrichtung gehörenden Salafisten, die einen besonders strengen Islam vertreten, beträgt nach Schätzungen rund 7000.

Laut Studie stellen die aus der Türkei stammenden Gläubigen mit rund 2,5 Millionen die größte ethnische Gruppe unter den Muslimen. Dies entspricht einem Anteil von rund 63 Prozent. Es folgen Menschen aus südosteuropäischen Ländern wie Bosnien, Bulgarien und Albanien (14 Prozent), dem Nahen Osten (8 Prozent), Nordafrika (7 Prozent) und dem Iran.

Laut einer Studie des Bundesamtes für Migration von 2009 bezeichnen sich 86 Prozent der befragten Muslime als gläubig (50 Prozent) oder sehr gläubig (36 Prozent). Aber nur jeder dritte besucht regelmäßig die Moschee und nur jeder fünfte gehört einem religiösen Verein oder einer Gemeinde fest an.

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