Jemen Jemens ehemaliger Präsident Saleh getötet

Sanaa / Martin Gehlen 05.12.2017
34 Jahren hat Ex-Präsident Ali Abdullah Saleh den Jemen mit starker Hand geführt. Jetzt wurde er selbst getötet. Einstige Verbündete wandten sich gegen ihn.

Er war ein Meister des politischen Überlebens. Seit seinem Aufstieg an die Spitze des Jemen 1978 überstand Ali Abdullah Saleh mehrere Bürgerkriege, einen Militäraufstand des Südens gegen den Norden sowie zahllose Attentate. Einen Tanz auf den Köpfen von Schlangen hat er einmal das Regieren im Jemen genannt. Jetzt hat ihn „eine der vielen kleinen Schlangen“ umgebracht, kommentierte eine politische Beobachterin. Erst am Samstag hatte Saleh nach mehr als zweieinhalb Jahren Krieg seine Militärallianz mit den Huthi-Rebellen aufgekündigt. „Es ist genug, was im Jemen passiert ist“, erklärte der 75-Jährige, den Huthi-Anführer Abdul-Malik al-Huthi daraufhin als Hochverräter und Putschisten beschimpfte. Sofort brachen in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa zwischen den entzweiten Alliierten erbitterte Straßenkämpfe aus, die bisher mehr als 60 Menschen das Leben kosteten. 48 Stunden später war auch der gewiefte Machtjongleur tot, umgekommen, als Huthi-Angreifer das Feuer auf seine Wagenkolonne eröffneten.

Auftakt zu neuer Gewalt?

Dem zerstörten Jemen und seiner Hauptstadt drohen jetzt noch mehr Krieg und Gewalt, die das Land und seine Bevölkerung in eine beispiellose Katastrophe stürzen könnten. Salehs langjähriger Gegenspieler, der in Saudi-Arabien im Exil lebende international anerkannte Präsident Abed Rabbo Mansour Hadi gab unterdessen seinen in der Nachbarprovinz Marib stationierten Truppen den Befehl, die Hauptstadt zu stürmen und aus der Hand der Huthis zu befreien.

Ali Abdullah Saleh kam aus einfachen Verhältnissen. Im Militär machte er rasch Karriere, befehligte lange eine Panzerbrigade und stieg zum General auf. 1978 wurde er Präsident des Nordjemen und 1990 nach der Wiedervereinigung Staatschef des gesamten Landes. Erst der Aufstand seiner Landsleute im Arabischen Frühling zwang ihn 2012 nach 34 Jahren zum Rücktritt. Doch Saleh mischte weiter kräftig mit. Er blieb Chef des „Allgemeinen Volkskongresses“ (GPD), seiner langjährigen Regierungspartei und Machtbasis. Zwei Jahre später 2014 schloss er mit den nach Sanaa eingerückten Huthi-Rebellen ein Zweckbündnis, um seinen Nachfolger Hadi aus dem Amt zu jagen. Im Gegenzug erklärten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate dem Jemen den Krieg, um die schiitischen Rebellen aus Sanaa zu vertreiben und Präsident Hadi an die Macht zurück zu bomben. Denn für das saudische Königshaus steht hinter den Huthis der regionale Erzfeind Teheran, der seine Macht im Jemen verankern will.

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