Bildung Jeder fünfte Viertklässler kann nicht richtig lesen

Berlin / Von Pia Reiser 05.12.2017
Jeder fünfte Viertklässler hat große Schwierigkeiten beim Lesen - deutlich mehr als vor fünf Jahren. Das ist das alarmierende Ergebnis der Iglu-Studie.

Etwa 19 Prozent der Viertklässler in Deutschland können nur schlecht lesen. Das sind zwei Prozentpunkte mehr als im Jahr 2001. Zu diesem Ergebnis kommt die Internationale Grundschul-Lese-Untersuchung 2016 (Iglu), die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die betroffenen Schüler sind kaum in der Lage, Verständnisfragen zu einfachen Texten zu beantworten. Ihnen sagen die Macher der Studie im weiteren Schulleben erhebliche Schwierigkeiten in allen Fächern voraus.

Obwohl die Leseleistung der Grundschüler insgesamt stabil blieb, steht Deutschland heute im internationalen Vergleich schlechter da: 2001 hatten nur vier Staaten bessere Werte, 2016 waren es 20. „In diesem Kontext bedeutet Stagnation natürlich Rückschritt“, sagte Susanne Eisenmann (CDU), Präsidentin der Kultusministerkonferenz und Kultusministerin von Baden-Württemberg. Sie sieht nun großen Handlungsbedarf, nimmt jedoch auch die Eltern in die Pflicht. „Man kann nicht verlangen, dass die Kinder öfter zum Buch greifen, wenn sie selber den ganzen Tag am Smartphone hängen.“

Wie gut ein Kind lesen kann, hängt laut Iglu-Studie in Deutschland stark davon ab, ob die Kinder aus bildungsfernen oder -nahen Familien kommen. Nur in Ungarn, Bulgarien und der Slowakei ist die Abhängigkeit von der sozialen Herkunft noch größer. Für Wilfried Bos, den Studienleiter von Iglu, ist dies schlicht eine Schande.

Thüringens Bildungsminister Helmut Holter (Linke) forderte, die Länderhoheit in der Bildungspolitik abzuschaffen. Er sei überzeugt, dass das „Kooperationsverbot fallen muss“, sagte Holter. Zudem müsse sich der Bund „viel stärker in Bildungsfragen engagieren, auch finanziell, damit gute Bedingungen für gute Schulen geschaffen werden“. Er betonte, die Anforderungen in den Schulen seien deutlich gestiegen. So würden Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam unterrichtet. Zudem gebe es mehr Kinder mit Migrationshintergrund, die wenig Deutsch sprechen.

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