Vorsorge Jede dritte Pensionskasse hat Probleme

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Berlin / Dieter Keller 25.07.2018
Die Minizinsen machen auch den Pensionskassen zu schaffen. Die Finanzaufsicht hat jede dritte genauer im Blick.

Etwa ein Drittel der 137 Pensionskassen in Deutschland steht unter verschärfter Beobachtung der Finanzaufsicht Bafin. Denn es geht ihnen wie den Lebensversicherern: Angesichts der anhaltenden Minizinsen haben sie Probleme, ihre Zusagen für die Altersversorgung einzuhalten. „Ohne zusätzliches Kapital von außen werden einige Pensionskassen nicht mehr ihre vollen Leistungen erbringen können“, warnte der zuständige Bafin-Direktor Frank Grund.

Eine Pensionskasse ist eine der fünf Möglichkeiten für die betriebliche Altersvorsorge. Derzeit haben etwa 4,8 Millionen Arbeitnehmer eine Anwartschaft bei einer solchen Kasse, an die Unternehmen ihre Zusagen für eine zusätzliche Altersversorgung ausgelagert haben. Rechtlich gibt es zwei Möglichkeiten: Rund 120 sind als betriebliche Pensionskassen meist in der Rechtsform eines Vereins organisiert, etwa 20 werden von Lebensversicherungsunternehmen getragen.

Im Notfall weniger Leistung

Die Pensionskassen zahlen lebenslang eine monatliche Rente. Das funktioniert nur, wenn ihre Kapitalanlagen genug Zinsen abwerfen. Gelingt ihnen das nicht, müssen sie bei ihren Trägern oder Aktionären zusätzliches Kapital einfordern. Diese sind im Prinzip auch verpflichtet, Geld nachzuschießen. Das kann für die Unternehmen zu einer großen Bürde werden. Noch schwieriger wird es, wenn es diese nicht mehr gibt, weil sie in Insolvenz gegangen sind.

„Intensive Gespräche“ führt die Bafin mit 45 Pensionskassen, berichtete das Bundesfinanzministerium auf Anfrage der Grünen. Bei ihnen hätten 2,8 Millionen Arbeitnehmer Versorgungsansprüche. Rund 300 000 beziehen bereits Rente. Zehn Kassen mit 130 000 Versicherten gelten als besonders gefährdet.

Die als Verein organisierten Pensionskassen können im Notfall Leistungen senken und Beiträge anheben. Anders läuft es bei den Töchtern von Lebensversicherern: Sie müssen alle Leistungen selbst garantieren und eine zusätzliche Reserve aufbauen, damit sie ihre Verpflichtungen auch bei niedrigen Zinsen einhalten können. Außerdem sind sie Mitglied in einem gesetzlichen Sicherungsfonds, der bei einer Insolvenz einspringt.

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