Hintergrund Hintergrund: Italiens Rechte auf dem Vormarsch

Rom / Bettina Gabbe 29.12.2017

Italiens Rechtsextreme profitieren von der zunehmenden Zersplitterung der Parteienlandschaft und der sinkenden Glaubwürdigkeit von Politikern. Während sich die Zahl der im römischen Parlament vertretenen Parteien durch Abspaltungen und Fraktionswechsel in vier Jahren auf zwanzig verdoppelt hat, treten Neofaschisten immer offener gewalttätig auf.

Zuletzt warfen maskierte Aktivisten der rechtsextremen Forza Nuova Rauchbomben in den Innenhof des Gebäudes der linksliberalen Tageszeitung La Repubblica. Dabei verlasen sie eine Erklärung: „Dies ist der erste Akt des politischen Krieges gegen diese Zeitung und die PD.“ Italiens Regierungspartei, die Demokraten der PD, reagierten auf die sich häufenden Übergriffe mit einer Demonstration im norditalienischen Como. In dem beschaulichen Urlaubsort nahe der Schweizer Grenze waren Rechtsextreme zuvor in die Räume eines Migranten-Unterstützungsnetzwerks eingedrungen und hatten den „Stopp der Invasion“ gefordert.

Wenige Wochen zuvor hatten Rechtsextreme in Rom eine ägyptische Familie mit Gewalt daran gehindert, die ihr von der Stadtverwaltung zugewiesene Wohnung zu beziehen. Sozialwohnungen nur an Italiener zu vergeben, lautet auch eine Forderung der populistischen Lega Nord, die im rechten Milieu um Stimmen wirbt.

Freie Bahn für Nostalgiker

Anfang November hatte ein Mafia-Boss in der römischen Vorstadt Ostia einem Journalisten eine Kopfnuss verpasst, als dieser ihn nach Verbindungen zur neofaschistischen Casa Pound fragte. Die nach einem von ihren Mitgliedern nahe dem römischen Hauptbahnhof Termini besetzten Haus benannte Gruppierung konnte bei Lokalwahlen zuletzt erhebliche Wahlerfolge verbuchen. In Ostia holte sie im November neun Prozent, in Lucca in der traditionell linksliberalen Toskana acht Prozent und in Bozen verdoppelte sie ihren Stimmenanteil auf sechs Prozent.

Nostalgiker der angeblich guten alten Zeit, als unter dem faschistischen Diktator Benito Mussolini die Züge pünktlich fuhren und Sozialrenten eingeführt wurden, hatten seit jeher in Italien freie Bahn.

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