Kommentar Günther Marx zu Konflikten in Nahost Israels zweite Front

Günther Marx
Günther Marx © Foto: Gerd Markert
Berlin / Günther Marx 17.07.2018

Der Blick auf die kriegerischen Ereignisse in Syrien verdeckt immer wieder, dass der Nahe Osten ein ganzes Bündel an Konflikten und blutigen Auseinandersetzungen darstellt, die nach Phasen relativer Ruhe immer wieder von neuem ausbrechen und sich leicht zu einem Flächenbrand entwickeln können.

Quasi aus dem Nichts heraus eskalierte in den vergangenen Tagen die Hamas ihren Raketenbeschuss Israels, dessen Führung mit massiven Gegen­attacken reagierte, die an den Gaza-Krieg 2014 denken ließen. Die inzwischen vereinbarte Feuerpause steht auf wackligem Fundament. Was treibt die Hamas an, die militärisch nichts gewinnen, aber alles verlieren kann, wenn Israel sich zu einer „endgültigen“ Lösung entschließt? Geht die mit dem Iran verbündete Hamas ins Risiko, um vom eigenen Versagen abzulenken, oder sieht sie sich als Teil der Auseinandersetzungen in Syrien?

Dort hat die israelische Luftwaffe jetzt eine Stellung im Norden angegriffen; angeblich als Entlastung für Kämpfe im Süden, wo syrische Truppen und ihre Verbündeten sich der israelischen Grenze bis auf wenige Kilometer nähern. Für Israel ist das Vorrücken der Iraner oder auch nur deren Versuch, sich auf Dauer in Syrien einzurichten, ein Kriegsgrund. Eine weitere Stärkung der Rolle Teherans in unmittelbarer Nachbarschaft wird in Israel als existenzielle Bedrohung aufgefasst.

Noch ist nicht klar, wohin sich dieser Konflikt entwickelt, ob die Iraner nach dem vollständigen Sieg Assads einlenken und ihre Kampftruppen abziehen. Wenn nicht, wird der Nahe Osten einen weiteren Krieg erleben und Gaza, die zweite Front, zum Nebenschauplatz.

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